USA – Gesellschaft 07. Jul 2026

Ahnungslos und dennoch feiern

Umfrage des konservativen Cato Institute zum Geschichtswissen der Amerikaner.  

Feuerwerke und Reden sind verhallt, aber der 250. Jahrestag der USA gibt weiterhin zu reden. Nun legt das konservative Cato Institute eine unter 2253 Amerikanern erhobene Umfrage zum Wissen der Bevölkerung über die Geschichte und die Staatsordnung ihres Landes vor.  Die Ergebnisse sind teilweise widersprüchlich und offenbaren Ahnungslosigkeit vor allem bei der «Generation Z» der zwischen 1997 und 2021 geborenen. 

Demnach weiss fast die Hälfte (46 Prozent) insgesamt nicht, welches Ereignis an diesem 250. Jahrestag eigentlich gewürdigt wurde. Etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent) gab korrekt die Verabschiedung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 an. Bei Jüngeren unter 30 liegt dieser Wert allerdings nur bei 39 Prozent.

Dennoch sind überwältigende Mehrheiten dankbar (86 Prozent) und stolz (79 Prozent) darauf, Amerikaner zu sein. Die meisten betrachten Amerika zudem als Land der Chancen (61 Prozent), und noch mehr glauben, dass der «Amerikanische Traum» (74 Prozent) von einem guten Leben dank harter Arbeit für sie persönlich erreichbar ist. 70 Prozent halten die Gründungsprinzipien auch heute noch für relevant. Dies gilt im Detail speziell für die in der Verfassung verankerten Rechte und Freiheiten (86 Prozent) und zudem seien die Gründungsprinzipien für den Wohlstand Amerikas verantwortlich (82 Prozent).

Dennoch glauben fast sechs von zehn Befragten, dass sich das Land von den Gründungsprinzipien entfernt hat, und 56 Prozent befürchten, dass die USA innerhalb der nächsten 50 Jahre aufhören könnten, ein freies Land zu sein. Korruption, Machtkonzentration und Machtmissbrauch sowie die Missachtung der Gründungsprinzipien werden als Faktoren angesehen, die zum Untergang des Landes führen könnten. Die Amerikaner befürworten verfassungsrechtliche Beschränkungen, die Gewaltenteilung und die Kontrolle der Macht des Präsidenten, um ihre Freiheiten zu wahren. So sind beispielsweise 58 Prozent der Meinung, dass keiner politischen Partei zu viel Macht anvertraut werden sollte; 55 Prozent finden, dass die US-Verfassung der Regierung klare Grenzen setzen sollte – selbst wenn dies die Problemlösung erschwert –, und 72 Prozent sind der Ansicht, dass sich der Präsident an die Urteile des Obersten Gerichtshofs halten muss, auch wenn er anderer Meinung ist.

Gleichzeitig ist eine beträchtliche Minderheit bereit, die Regeln zu beugen, wenn es ihr zum Vorteil gereicht. Vier von zehn Amerikanern halten es für akzeptabel, wenn ein von ihnen unterstützter Präsident die Verfassung dehnt, um seine Ziele zu erreichen.

Daneben wissen 77 Prozent zwar, dass George Washington der erste Präsident war, 58 Prozent aber nicht, was der Hauptzweck der US-Verfassung ist, und 57 Prozent sind dieGründe für die Unabhängigkeitserklärung von Grossbritannien sowie für die Schaffung einer von Gewaltenteilung geprägten Regierung unbekannt.

Bemerkenswert ist zudem eine nachlassende Begeisterung für das kapitalistische System der USA. Insgesamt bewerten 52 Prozent eine solche Ordnung gegenüber immerhin 37 Prozent für Sozialismus. Aber auch hier geht die Generation Z mit einer Präferenz für den Sozialismus von 53 Prozent eigene Wege, welche die Zukunft der bisherigen Ordnung in Frage stellen. Denn quer durch die politischen Lager würden 51 Prozent dieser Population für Kandidaten stimmen, die sich als «demokratische Sozialisten» bezeichnen (Link).

Andreas Mink