Mit einem neuen Werk meldet sich U2 nach fast einem Jahrzehnt musikalischer Pause zurück und einmal mehr steht Frontmann Bono im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die EP «Days of Ash» verbindet persönliche Reflexion mit politischer Stellungnahme. In Interviews zur Veröffentlichung äussert sich Bono ungewöhnlich deutlich zum Krieg im Nahen Osten, zu Antisemitismus und zur moralischen Verantwortung von Künstlern. Bono verurteilt darin die Gewalt des 7. Oktober scharf und spricht von islamistischem Antisemitismus, dem entschieden entgegengetreten werden müsse. Zugleich kritisiert er aber auch die israelische Regierung für ihr Vorgehen nach den Angriffen. Hass, so Bono, dürfe niemals relativiert werden, unabhängig davon, von welcher Seite er komme. Diese Haltung prägt auch die Auswahl der Texte auf der neuen Veröffentlichung. So enthält das neue Album eine gesprochene Version des Gedichts «Wildpeace» des israelischen Lyrikers Yehuda Amichai. Für Bono ist Amichais Gedicht Ausdruck einer Sehnsucht nach einem Frieden, der nicht heroisch, sondern menschlich und verletzlich ist. Direkt im Anschluss folgt ein Lied über den getöteten palästinensischen Aktivisten Awdah Hathaleen. Die Gegenüberstellung wirkt bewusst gewählt: Kunst als Raum für Ambivalenz. Bono präsentiert sich dabei nicht als neutraler Beobachter, sondern als engagierter Mahner. Die neue Musik versteht er als moralischen Kommentar zu einer eskalierenden Realität. Dass U2 nach so langer Pause mit einem derart politischen Werk zurückkehrt, unterstreicht, wie sehr Bono die Rolle des Musikers auch als Stimme im öffentlichen Diskurs begreift.
Bono
06. Mär 2026
Wildfrieden
Emily Langloh