Der amerikanische Dirigent Michael Tilson Thomas ist im Alter von 81 Jahren in San Francisco gestorben. Der weltweit gefeierte Musiker, der über Jahrzehnte zu den prägenden Figuren der klassischen Musik gehörte, litt zuletzt an einem wiederkehrenden Hirntumor. Nur wenige Tage vor seinem Tod jährte sich sein letztes Konzert, bei dem er Mahlers Fünfte Symphonie dirigierte und sich mit den Worten verabschiedete: «Life is precious.» Tilson Thomas wurde 1944 in Los Angeles geboren und war der Enkel der legendären Jiddisch-Theater-Stars Boris und Bessie Thomashefsky. Diese Herkunft prägte ihn nachhaltig. Neben seiner internationalen Karriere als Dirigent setzte er sich immer wieder mit jüdischer Musik und Geschichte auseinander. Besonders bekannt wurde sein Projekt «The Thomashefskys», eine Hommage an das jiddische Theaterleben seiner Grosseltern in der New Yorker Lower East Side. Seine Laufbahn führte ihn an die bedeutendsten Orchester der Welt, darunter das Boston Symphony Orchestra, bei dem er seine Karriere als Assistenzdirigent begann, sowie das San Francisco Symphony, das er über Jahre leitete. 1987 gründete er zudem die New World Symphony in Miami, um junge Musiker zu fördern. Tilson Thomas dirigierte weltweit, auch in Israel, und verstand sich als Vermittler klassischer Musik für ein breites Publikum. Für seine Aufnahmen erhielt er elf Grammys. Auch Rückschläge prägten seinen Weg: 1978 wurde er wegen eines Drogendelikts verhaftet, was seiner Karriere zeitweise schadete. Dennoch blieb er eine zentrale Figur der Musikwelt. Tilson Thomas bekannte sich stets offen zu seinen jüdischen Wurzeln und verband künstlerische Exzellenz mit einem ausgeprägten historischen Bewusstsein.
Michael Tilson Thomas
30. Apr 2026
Vermächtnis