Yair Garbuz 08. Mai 2026

Abschied

Der israelische Künstler und Publizist Yair Garbuz ist im Alter von 80 Jahren infolge einer Krebserkrankung gestorben. Mit Garbuz verliert Israel eine der prägenden Stimmen seiner Kunst- und Kulturszene. Geboren 1945 in Givatayim als Sohn polnischer Einwanderer, studierte Garbuz am Avni-Institut und bei Raffi Lavie. Bereits 1967 zeigte er seine erste Einzelausstellung. Früh verband er Malerei mit fotografischen Collagen, Textfragmenten und skizzenhaften Elementen. In den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelte er daraus eine eigenständige Bildsprache, die ironisch mit Motiven zionistischer Bildwelten spielte und zugleich kunsthistorische Bezüge reflektierte. Neben seiner bildnerischen Arbeit war Garbuz ein produktiver Autor. Er veröffentlichte Essays, Satire, Lyrik und autobiografische Texte und schrieb unter anderem für die Zeitung «Davar». Für seine publizistische Arbeit erhielt er 1993 den Sokolov-Preis. Auch im Fernsehen war er präsent, etwa mit satirischen Formaten und als Kommentator kultureller Themen. Garbuz übernahm zudem zentrale institutionelle Rollen: Über Jahre leitete er die Kunstschule HaMidrasha am Beit-Berl-College und prägte Generationen von Künstlerinnen und Künstlern. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem EMET-Preis sowie dem Rappaport-Preis des Tel Aviv Museum of Art. Auch in politischen Debatten war Garbuz regel-mässig präsent. Eine Rede kurz vor den Wahlen 2015 löste jedoch heftige Kritik aus, da seine Worte von vielen als abwertend gegenüber religiösen Mizrachim verstanden wurden, eine Deutung, die er später als Verzerrung zurückwies. Bis zuletzt blieb Garbuz eine eigenwillige Stimme, die sich auch kritisch mit der israelischen Kunstgeschichte und deren Darstellung auseinandersetzte.

Emily Langloh