In Zürich sind gestern Donnerstag Holocaust-Opfern gedacht worden.
Der erste von sechs Stolpersteinen, die gestern Donnerstag in Zürich gesetzt wurden, erinnert an der Kurvenstrasse 31 b an das Schicksal von Madeleine Jeanne Lüthi. Um an die Deportation der gebürtigen Schweizerin Rosa Sticki-Makow mit ihren Töchtern Florentine, Marie und Mauricette zu erinnern, die allesamt aus 1944 Frankreich nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden waren, kamen rund einhundert Interessierte zu den Steinsetzungen an der Dufourstrasse 70. Die Recherchen für alle diese Lebensgeschichten besorgte die Historikerin Catrina Langenegger. Hingegen konnte Pfarrer Roland Diethelm, der durch die Veranstaltung führte, das Mikrofon Edith Fromer übergeben, damit sie von ihren persönlichen Begegnungen mit der Tante erzählte. Fromers Schilderungen hörten nun auch einige Kinder mit grossem Interesse zu. Bald achteten sie ebenso aufmerksam wie all die Erwachsenen auf die beiden Rämibühl-Schülerinnen, die stellvertretend für ihre anwesende Klasse auf die Bedeutung von Erinnerung in der Gegenwart hinwiesen.
Nach dem Kaddisch-Gebet, für die musikalische Umrahmung sorgte der Saxophonist Omri Ziegele, lobte Stadtpräsidentin Corine Mauch den Verein Stolpersteine Schweiz für dessen Engagement mit dem Projekt: «Ihr haltet die Erinnerung wach an das Versagen der Schweizer Behörden, die diese Menschen nicht geschützt haben.» Erinnern sei essenziell, fuhr die Politikerin fort und stellte fest: «Die Stadt Zürich engagiert sich für eine Erinnerungskultur, die nicht nur Geglücktes feiert, sondern auch die Schattenseiten unserer Geschichte beleuchtet. Wir setzen uns ein für eine vielfältige, kritische und wissenschaftlich fundierte Erinnerungskultur, die es uns ermöglicht, aus der Vergangenheit zu lernen.» In Stolpersteinen, als weltweit grösstes dezentrales Mahnmal, sieht Mauch ein perfektes Beispiel einer solchen Erinnerungskultur.
Der sechste Stein schiesslich wurde an der Hammerstrasse 41 für Margrit Gümpel gesetzt, deren Lebensgeschichte die Historikerin Sophie Küsterling recherchiert hat.
Für den Historiker David Hesse, der wenige Wochen zuvor nach dem scheidenden Vereinspräsidenten Res Strehle zum Vereinspräsidenten gewählt wurde, war es die erste dieser Veranstaltung in der neuen Funktion.