Deutlich gesunkene Zahl von Vorfällen insgesamt – starke Zunahme körperlicher Attacken auf Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft.
Im Vergleich zu den Rekordwerten der beiden Vorjahre sind antisemitische Vorfälle in den USA 2025 stark zurück gegangen. Physische Angriffe – einschliesslich tödlicher Attacken – nahmen jedoch weiter zu. Dies geht aus dem nun publizierten Jahresbericht der Anti-Defamation League (ADL) hervor.
Im Jahr 2025 verzeichnete die ADL landesweit 6274 antisemitische Vorfälle. Dies entspricht einem Rückgang um 33 Prozent im Vergleich zu 2024, als noch 9354 Vorfälle registriert wurden. (Von 2023 auf 2024 war die Zahl der antisemitischen Vorfälle um fünf Prozent gestiegen.)
Dennoch war das Jahr 2025 – nach 2023 und 2024 – das Jahr mit der dritthöchsten Anzahl antisemitischer Vorfälle in der seit 1979 erstellten ADL-Übersicht.
Zudem stieg die Zahl der Angriffe unter Einsatz tödlicher Waffen um 39 Prozent an: von 23 Fällen im Jahr 2024 auf 32 Fälle im vergangenen Jahr. Dazu zählt der Brandanschlag auf die Residenz des Gouverneurs von Pennsylvania Josh Shapiro an Pessach.
ADL-CEO Jonathan Greenblatt erklärte dazu, der Bericht zeige, «wie dramatisch sich die Bedrohungslage verschoben hat. Zahlen, die uns vor fünf Jahren noch schockiert hätten, bilden heute bereits die Untergrenze. Auf amerikanischem Boden werden Menschen aufgrund von Antisemitismus ermordet, und Tausende weitere werden bedroht.»
Antisemitische Belästigungen und Vandalismus gingen gegenüber 2024 jeweils zurück – von 6552 auf 4003 Fälle und von 2606 auf 2068 Fälle. Die Zahl der tätlichen Angriffe stieg von 196 auf 203 mit mindestens 300 Opfern. Darunter erstmals seit 2019 wieder Tötungsdelikte wie die Erschiessung zweier Mitarbeiter der israelischen Botschaft vor dem Capital Jewish Museum im vergangenen Mai sowie das Opfer eines Brandanschlages mit Molotowcocktails im Juni während einer Demonstration für die israelischen Geiseln in Boulder, Colorado.
Bemerkenswert ist zudem ein signifikanter Rückgang der antisemitischen Vorfälle an Hochschulen um 66 Prozent von 1694 auf 583 im Jahr 2025. Dies ist durch die Massnahmen zahlreicher Universitäten gegen pro-palästinensische Proteste und strengere Richtlinien für Demonstrationen zu erklären. Der Bericht verzeichnete zudem einen Rückgang um fast 50 Prozent bei der Verbreitung von Propaganda der rassistischen «White-Supremacy»-Bewegung.
Die ADL steht seit Langem in der Kritik pro-palästinensischer Stimmen, da sie gegen Israel gerichtete Vorfälle als antisemitisch einstuft. Im aktuellen Bericht stehen 45 Prozent aller erfassten Vorfälle in Zusammenhang mit Israel oder dem Zionismus – ein Rückgang gegenüber 58 Prozent im Jahr 2024. Die ADL erfasst laut eigenen Angaben dabei «weder legitimen politischen Protest gegen die israelische Politik, noch allgemeine pro-palästinensische Aktivitäten.» Als Beispiele für antisemitischen Protest nannte sie unter anderem das Feiern von Gewalt gegen Juden sowie die Verherrlichung von Terrorgruppen wie der Hisbollah und der Hamas (Link).