Grossbritannien 07. Mai 2026

«Unvereinbar mit jüdischen Werten»

Kritik prominenter Geistlicher der liberalen Bewegung an Israel.  

Progressive jüdische Geistliche in Grossbritannien warnen laut dem «Guardian», dass die derzeitige politische Ausrichtung Israels «unvereinbar mit jüdischen Werten» zu werden drohe. Gleichzeitig sei Kritik an der Netanyahu-Regierung eine «jüdische Pflicht» und keineswegs ein Akt der Illoyalität. Zu Wort kommen die Rabbiner Charley Baginsky und Josh Levy, die gemeinsam an der Spitze des «Progressiven Judentums» stehen. Die neu gegründete Bewegung vertritt rund ein Drittel aller Synagogen im Vereinigten Königreich. Sie erklärten, der momentane Kurs Israels könnte eine «existenzielle Bedrohung» darstellen: nicht nur für das Land selbst, sondern auch für das Judentum. Baginsky und Levy äusserten sich vor der Veröffentlichung des ersten Buches der Bewegung mit dem Titel «Progressive Judaism, Zionism and the State of Israel» und gaben dabei auch der Hoffnung Ausdruck, dass ein Wandel nach wie vor möglich sei.

Der Band versammelt 40 Essays jüdischer Geistlicher und Gemeindeführer und spiegelt ein breites Spektrum an Perspektiven wider zu jüdischer Identität, Zionismus und Israel.

Levy argumentierte: «Das Handeln der israelischen Regierung strahlt auf uns als Juden ab und wirkt sich auf unser Judentum aus. Daher ist es unsere jüdische Pflicht, uns auf die eine oder andere Weise im Dialog damit zu befinden.» Das Progressive Judentum versteht sich als zionistische Bewegung, die sich jedoch einem jüdischen, pluralistischen und demokratischen Staat in Israel verpflichtet fühlt. Das neue Buch enthält aber auch Beiträge von Stimmen, die sich selbst nicht als Zionisten bezeichnen würden. Der Band soll «Teil eines umfassenderen Überprüfungsprozesses des Progressiven Judentums zum Verhältnis zu Israel und dem Zionismus» sein.

Dazu Baginsky: «Wir tragen die Verantwortung aufzuzeigen, dass unser religiöser Zionismus nicht jener religiöse Zionismus ist, der uns bisweilen aus der Westbank entgegenschlägt. Mein Zionismus beinhaltet zugleich die Anerkennung des palästinensischen Selbstbestimmungsrechts.»

Diese Haltung ist nicht unbedingt populär. Laut dem Bericht wurden Baginsky und Levy 2025 während einer Kundgebung für die von der Hamas im Gazastreifen als Geiseln gehaltenen Israelis von der Bühne gebuht, nachdem sie ein Ende des Krieges sowie die Gründung eines palästinensischen Staates gefordert hatten (Link).
 

Andreas Mink