Daniel Luz 17. Apr 2026

Zweifach

Der 92-jährige Daniel Luz hat Verfolgung und Gewalt gleich zweimal erlebt, einmal als Kind im von den Nationalsozialisten besetzten Frankreich und Jahrzehnte später beim Angriff der Hamas auf den Kibbuz Beeri am 7. Oktober 2023. «Ich bin zweimal ein Holocaust-Überlebender – aus Frankreich und aus Be’eri», sagt er. Als Kind erlebte Luz Krieg, Angst und Verfolgung am eigenen Leib. Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte er nach Israel aus, baute sich ein neues Leben auf und fand im Kibbuz Beeri eine Heimat. Viele Jahre schien die Vergangenheit überwunden. Doch der 7. Oktober veränderte alles. Am Vorabend hatte Luz noch mit Freunden den Geburtstag des Kibbuz gefeiert. Am nächsten Morgen wurde er von Sirenen und Schüssen geweckt. Gemeinsam mit seiner Partnerin Edna verschanzte er sich im Schutzraum, während draussen Terroristen Bewohner ermordeten und Häuser zerstörten. «Ich war sicher, es ist mein letzter Tag», sagt er. «Die Angst, die ich gespürt habe, war grösser als während des Holocaust.» Von den rund 1200 Bewohnern von Beeri wurden an jenem Tag 101 Menschen ermordet, 30 entführt. Zahlreiche Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt, die Gemeinschaft ist bis heute grösstenteils vertrieben. Luz lebt inzwischen in einem Pflegeheim im Kibbuz Yad Mordechai. Die Erlebnisse haben Spuren hinterlassen. «Ich habe mich davon nicht erholt», sagt er. Dennoch richtet er den Blick auf die Zukunft: «Lasst uns diese Kriege beenden. Ich wünsche mir Frieden. Ich werde ihn wohl nicht mehr erleben, aber meine Enkel werden es, und das ist das Wichtigste.» Vor wenigen Tagen entzündete Luz bei der Gedenkzeremonie zum Holocaust-Gedenktag in Yad Mordechai eine Fackel. Für ihn war es ein Zeichen der Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft.

Emily Langloh