Kurz vor dem israelischen Unabhängigkeitstag erhält die Israelische Nathionalbibliothek ein historisch bedeutendes Konvolut: das persönliche Archiv des britischen Offiziers Orde Charles Wingate. Die Sammlung gewährt neue Informationen über einen Mann, der die militärische Entwicklung Israels in vorstaatlicher Zeit entscheidend prägte. Das Archiv umfasst unter anderem Hebräisch-Notizbücher, ein persönliches Tagebuch, seltene Fotografien sowie Einsatzpläne und Geheimdienstberichte. Besonders hervorzuheben sind Dokumente zu den Special Night Squads, einer gemeinsamen britisch-jüdischen Spezialeinheit, die während des arabischen Aufstands in den 1930er-Jahren operierte. Wingate, ein überzeugter christlicher Zionist, stellte sich offen hinter das Recht des jüdischen Volkes auf einen eigenen Staat. In Palästina entwickelte er eine für die damalige Zeit revolutionäre Militärdoktrin: kleine, bewegliche Einheiten, nächtliche Operationen, präzise Aufklärung und offensive Taktiken. Diese Prinzipien beeinflussen bis heute militärische und polizeiliche Strategien weltweit. Im Jischuw, der jüdischen Gemeinschaft vor der Staatsgründung, wurde Wingate bald «Hayedid» («der Freund») genannt. Unter seiner Führung sammelten junge Kämpfer erste Erfahrungen in offensiven Einsätzen, darunter spätere Schlüsselfiguren wie Mosche Dayan oder Jigal Allon. Dass das Archiv nun in Jerusalem zugänglich ist, gilt als bedeutender Schritt für Forschung und Öffentlichkeit. Es dokumentiert nicht nur militärische Innovationen, sondern auch die persönliche Überzeugung eines Mannes, der als britischer Offizier eine ungewöhnlich enge Verbindung zum zionistischen Projekt entwickelte.
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Jerusalem
17. Apr 2026
Wie alles begann
Emily Langloh