Boy George 08. Mai 2026

Solidarität

Der britische Popstar Boy George hat in der irischen «Late Late Show» mit ungewöhnlich klaren Worten auf antisemitische Entwicklungen aufmerksam gemacht. Im Gespräch mit Moderator Patrick Kielty schilderte er persönliche Erfahrungen aus London und stellte dem Publikum eine direkte Frage: Warum werde über Antisemitismus so wenig gesprochen? Im Studio folgte darauf zunächst spürbare Stille. Ausgangspunkt der Diskussion war ein Verweis auf das Leid im Gazastreifen. Boy George widersprach nicht grundsätzlich, lenkte den Fokus jedoch auf die Situation jüdischer Menschen in Europa. Er argumentierte, dass fehlende persönliche Berührungspunkte eine Rolle spielen könnten, insbesondere in Irland mit seiner kleinen jüdischen Gemeinschaft von rund 2300 bis 2700 Personen. Bereits kurz zuvor hatte der Sänger von dem antisemitischen Messerangriff im Londoner Stadtteil Golders Green berichtet, bei dem am 29. April zwei jüdische Männer verletzt wurden. Er sei vor Ort gewesen, als die Polizei eintraf, und habe «Panik in der Luft» gespürt. Zugleich rief er die Bevölkerung dazu auf, sich klar an die Seite der jüdischen Gemeinschaft zu stellen. Boy George, geboren als George O’Dowd und in den 1980er-Jahren mit der Band Culture Club berühmt geworden, ist selbst nicht jüdisch. Dennoch betont er seit Jahrzehnten seine enge Verbundenheit mit jüdischen Freunden. Schon früh trug er öffentlich einen Davidstern; heute begründet er seine Haltung vor allem mit persönlichen Beziehungen und einem klaren Bekenntnis gegen Diskriminierung. Sein Auftritt im irischen Fernsehen fügt sich in diese Linie ein und macht deutlich, wie unterschiedlich Wahrnehmungen von Antisemitismus von persönlicher Erfahrung oder Distanz beeinflusst sind.

Emily Langloh