Nitza Katz-Bernstein 26. Jun 2026

Das «Krankenhaus des Friedens»

Tel Hashomer ist das Krankenhaus der Tel-Aviv-Universität. Dort befinden sich Abteilungen für unterschiedliche medizinische Disziplinen, die sich neben der Behandlung von Patienten und Patientinnen auch der Forschung und der Lehre widmen, die in Israel und weltweit als innovativ und progressiv gelten. Diese Einrichtung nennt sich auch «Krankenhaus des Friedens», da ungefähr ein Drittel der Studierenden, Dozierenden und Mitarbeiter israelische Palästinenser sind. Die folgenden Schilderungen betreffen die Fakultät für klinische Hör- und Sprachtherapie, die dort angesiedelt ist und eine klinische Einrichtung betreibt.

Vor drei Jahren, nach dem 7. Oktober 2023, nachdem Netanyahu den Krieg verkündet hatte und sowohl Studierende, als auch ihre Partner, Kinder und weitere Familienmitglieder zum Militärdienst einberufen wurden, veröffentlichte die Tel-Aviv-Universität ein Schreiben, worin stand: «Wir sind eine politisch unabhängige, akademische Einrichtung, die das Zusammenleben pflegt und vorlebt, und wir werden diesen politischen Vorschriften nicht folgen. Wir sind eine Universität des Friedens.» Das Statement wurde von Dozierenden, Forschern und Forscherinnen sowie Mitgliedern der Verwaltung unterschrieben. Bis heute gehen Kollegen und Kolleginnen und deren Angehörige jeden Samstangabend zu den Demonstrationen gegen die Regierung.

Seit dem Krieg hat sich die Anzahl der arabischstämmigen Studierenden in den Gesundheitsberufen reduziert. Arabische Studierende an israelischen Universitäten werden von der Hamas und ihren Anhängern angegangen und bedroht, wodurch das friedliche Zusammenleben an Univesitäten gefährdet ist.

Seit drei Jahren kämpft die Universität um die Normalität und versucht, den Studierenden einen normalen Alltag zu ermöglichen, damit sie ihr Studium fortsetzen können. Dazu gehört auch, dass Ausnahmen gestattet werden, wenn es um Abwesenheiten bei oder das Aufnehmen von Vorlesungen geht, damit diese auch zu Hause verfolgt werden können. So soll es den Studierenden trotz Militärdienst möglich sein, ihr Studium fortzusetzen. Ebenfalls müssen wir als Dozierende einem Workshop beiwohnen, in dem uns beigebracht wird, wie wir trotz Abwesenheit vieler Studierender dennoch effektiv unterrichten und wie sie Prüfungen Zuhause absolvieren können. Es entstehen komplett neue Regeln angesichts der Umstände. Vor dem Krieg pflegten Gastdozenten aus dem Ausland, wie ich es bin, oft zweimal pro Semester zum Campus zu kommen. Nun müssen wir oft per Zoom den nötigen Stoff vermitteln. Obwohl diese Bedingungen nicht ideal sind, können viele trotz Krieg und Unsicherheit ihr Studium fortsetzen.

Trotz der momentanen Waffenruhe ist die Ungewissheit spürbar. Wenn Bomben fallen, müssen wir zwei- bis dreimal pro Tag, auch nachts, in Schutzräume rennen und dort bis zur Entwarnung ausharren. Ob zu Hause, an der Uni oder im Spital. Dies passiert auch während des Unterrichts. Für das Lernen wird keine Ausnahme gemacht. Das Leben im Krieg erfordert grosse Resilienz, Ausdauer, Anpassung, Solidarität und Kreativität – das erlebe ich seit Kriegsbeginn täglich an der Universität.

Nitza Katz-Bernstein ist eine klinische Psychologin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Logopädin und emeritierte Professorin.