zur lage in israel 17. Jul 2026

F-35 an die Türkei?

Die aufblühende «Bromance» zwischen Trump und Erdogan sorgt in Israel für grosse Besorgnis, doch der Verkauf moderner Kampfflugzeuge an Ankara könnte tatsächlich dazu beitragen, den türkischen Staatschef in Schach zu halten.

Während des NATO-Gipfels in Ankara in der vergangenen Woche hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan allen Grund zu glänzen. Er empfing Dutzende Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, die immer wieder unter Beweis stellen, dass Realpolitik Vorrang vor liberalen Werten und der Sorge um Menschenrechtsverletzungen in der Türkei hat.

Das grosse Thema waren jedoch nicht die europäischen Staats- und Regierungschefs, die sich mit Erdogan trafen, sondern die Ankunft des US-Präsidenten Donald Trump. Der amerikanische Staatschef hat Erdogan als «Führer» und «Freund» gepriesen und schert sich nicht im Geringsten um den Niedergang der türkischen Demokratie unter dessen Herrschaft.

Sobald Trump gelandet war, empfing Erdogan ihn auf dem Rollfeld, nahm den müden Präsidenten beim Arm und zeigte eine Herzlichkeit und persönliche Note, wie man sie bei Trumps Fototerminen selten zu sehen bekommt. Die zur Schau gestellte Vertrautheit war für Erdogan der Beweis, dass es im Leben tatsächlich zweite Chancen gibt – oder, was wahrscheinlicher ist, dass sich schiere Beharrlichkeit, eine seiner starken Charaktereigenschaften, letztendlich auszahlt.

Innerhalb weniger Stunden erfuhr Erdogan bei einer gemeinsamen Pressekonferenz, dass Trump die Sanktionen gegen die Türkei aufheben würde und dass die Türkei wieder auf Kurs sei, den Hauptpreis zu erhalten: F-35-Kampfflugzeuge.

Das waren grossartige Nachrichten für den türkischen Präsidenten, aber eine alarmierende Entwicklung für einen anderen Verbündeten der USA im Nahen Osten: Israel. Premierminister Netanyahu gab eine Reihe von Interviews im amerikanischen Fernsehen, um vor dem F-35-Deal zu warnen. Er erklärte, Erdogan führe «ein Regime, das von der Muslimbruderschaft unterwandert ist und die Vereinigten Staaten hasst», stelle eine direkte Bedrohung für Griechenland dar und «drohe, Israel zu vernichten».

Erdogan und Netanyahu verbindet eine lange Geschichte der Feindseligkeit, doch es sei daran erinnert, dass sich die beiden nur wenige Wochen vor dem Angriff vom 7. Oktober tatsächlich von Angesicht zu Angesicht in New York trafen, um ihre angespannten Beziehungen zu verbessern. Zu dieser Zeit drängte die Biden-Regierung auf ein saudisch-israelisches Abkommen, und Israel baute zudem seine Erdgasförderung im Mittelmeer aus. Erdogan spielte mit dem Gedanken einer Pipeline von israelischen Gewässern zu europäischen Küsten.

Der kurzlebige Versuch, engere und gesündere Beziehungen zwischen Israel und der Türkei zu fördern, überstand den 7. Oktober und den Gaza-Krieg nicht. Diese Ereignisse führten Israel zudem in eine Sackgasse andauernder Kriege und internationaler Isolation. Heute sieht Erdogan keine Notwendigkeit mehr, sich Israel anzunähern; er ist derjenige, der die europäischen Staats- und Regierungschefs nacheinander auf seine Seite ziehen und Trump dazu bringen kann, an einem NATO-Gipfel teilzunehmen – trotz der dokumentierten Feindseligkeit des amerikanischen Präsidenten gegenüber dem Bündnis.

Netanyahu hingegen kann derzeit aufgrund des gegen ihn erlassenen internationalen Haftbefehls nicht einmal nach Europa reisen und kämpft darum, in Trumps Gunst zu bleiben.

Während Netanyahu Erdogan stets schnell als Diktator verurteilt, führt er Israel selbst auf einen autoritären Kurs, wie kürzlich die offene Weigerung seiner Regierung zeigte, einem Urteil des Obersten Gerichtshofs zur Unabhängigkeit der nationalen Medienaufsichtsbehörde nachzukommen. Die Unterschiede zwischen ihm und seinem Erzfeind in Ankara lassen sich immer schwerer erkennen.

Das Traurigste an dieser Darstellung ist, dass es zumindest innerhalb der internationalen Gemeinschaft schwer wäre, jemanden zu finden, der Netanyahus Behauptung glaubt, die Türkei stelle eine existenzielle Bedrohung für Israel dar. Ironischerweise findet eine solche Darstellung nur in Israel selbst Anklang. Allein die Möglichkeit, dass Trump der Türkei den Erhalt der F-35 gestatten könnte, löste im Land einen Medienrummel aus, was beweist, wie besorgt die Israelis wegen der Türkei sind.

Diese Angst könnte sich für Israel jedoch als kontraproduktiv erweisen. Auch wenn Erdogans Rhetorik seit dem 7. Oktober seine Verachtung für Israel deutlich gemacht hat, wäre es vielleicht klug anzuerkennen, dass die Rückführung der Türkei in den amerikanischen Einflussbereich im Rahmen des F-35-Programms – ein Prozess, der vom Kongress genehmigt werden muss – tatsächlich dazu beitragen könnte, das Regime in Ankara in Schach zu halten.

Es war der türkische Aussenminister Hakan Fidan, dessen Äusserungen nach dem NATO-Gipfel darauf hindeuteten, dass die Türkei einen Rückzieher machte. Er deutete an, dass die bevorstehenden Wahlen in Israel Netanyahu und einige seiner Oppositionsrivalen dazu veranlassten, die Türkei verbal anzugreifen, räumte aber auch ein, dass es in Israel «immer noch sehr vernünftige und gute Menschen mit Weisheit und strategischem Denken» gebe.

Fidans Worte dienen auch als treffende Metapher für die Türkei: Harte Rhetorik für den heimischen Gebrauch spiegelt nicht unbedingt die tatsächliche Politik wider. Allein dies könnte die lange, angespannte Beziehung zwischen Erdogan und Netanyahu zusammenfassen: laut reden und leise handeln.

Louis Fishman ist ausserordentlicher Professor am Brooklyn College.

Louis Fishman