Zürich 30. Apr 2026

Religiöse Neutralität

Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) empfiehlt, dass Lehrpersonen an öffentlichen Schulen auf das Tragen religiöser Symbole verzichten sollen. Dazu gehören ausdrücklich auch Kopftücher. Hintergrund ist eine erneut aufgeflammte Debatte über die religiöse Neutralität im Schulzimmer. Die Präsidentin des Verbands, Dagmar Rösler (Foto), betont, öffentliche Schulen müssten politisch und konfessionell neutral bleiben. Diese Neutralität sei aus Sicht des LCH nicht gewährleistet, wenn Lehrpersonen sichtbare religiöse Zeichen tragen. Die Empfehlung richtet sich jedoch nur an Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sollen weiterhin religiöse Symbole tragen dürfen, da für sie die Religionsfreiheit stärker wiegt. Gleichzeitig versucht der Verband, die Debatte zu relativieren. Es handle sich um wenige Einzelfälle, die unverhältnismässig stark diskutiert würden. «Aus vielleicht fünf Lehrpersonen mit Kopftuch wird eine grosse Geschichte gemacht», sagt Rösler. Die Diskussion ist politisch und gesellschaftlich umstritten. Während Befürworter auf die Vorbildfunktion von Lehrpersonen und die staatliche Neutralität verweisen, warnen Kritiker vor Diskriminierung. Ein generelles Verbot könnte als Einschränkung der Religionsfreiheit gewertet werden und bestehende Spannungen verschärfen. Die Debatte betrifft nicht nur muslimische Frauen, sondern wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang mit religiösen Symbolen auf, etwa auch mit Kippa oder Kreuz.

Emily Langloh