Pablo Picasso und Georges Bloch verband weit mehr als das Künstler-Sammler-Verhältnis – ihr Austausch prägte die Druckgrafik des 20. Jahrhunderts, die jetztin Zürich zu sehen ist.
Pablo Picasso war einer der berühmtesten, wenn nicht der berühmteste bildende Künstler des 20. Jahrhunderts. Davon zeugen ungezählte Werke in Museen weltweit, darunter einige im Basler Kunstmuseum, das besonderer Umstände wegen die wohl bedeutendste museale Sammlung von Werken des Künstlers beherbergt.
Weniger bekannt ist Picasso für sein Werk von rund 2000 druckgrafischen Blättern, welche teils in verschiedenen Zuständen erhalten sind. Dieses umfangreiche Werk trug Zürcher Kaufmann Georges Bloch in über 20-jähriger akribischer Sammeltätigkeit zusammen. Hieraus resultierte ein vierbändiger Katalog des grafischen Werkes von Pablo Picasso, welcher in den Jahren 1968 bis 1979 bei Eberhard Kornfeld in Bern verlegt wurde und bis heute als Referenzwerk der Grafik von Picasso gilt.
Der Beginn einer Freundschaft
Georges Bloch wurde 1901 in Zürich geboren, wo er nach dem Besuch der Schule eine kaufmännische Ausbildung absolvierte und im Geschäft seines Vaters, des Tuchhändlers Adolf Bloch, arbeitete. Nach dem Tod des Vaters übernahm Georges Bloch die Führung der Firma.
Nachdem er bereits in den 1920er Jahren seine englischen und französischen Sprachkenntnisse in Genf und England erweitert hatte, konnte er auf Reisen in England und Frankreich Kontakte zu Galeristen, Kunstsammlern und Künstlern, unter anderem Pablo Picasso, den er 1953 kennenlernte, knüpfen. Von Picasso erwarb Bloch seit den 1950er Jahren zahlreiche Grafiken. Über die Jahre entstand eine enge Freundschaft zwischen Bloch und Picasso, welcher Bloch zahlreiche Blätter, die er mit entsprechenden Widmungen versah, schenkte. «A mon ami Bloch» oder «pour Georges Bloch, son ami Picasso» ist da unter anderem zu lesen. Unter diesem Motto der Freundschaft zeigt nun die Graphische Sammlung der ETH Zürich eine Ausstellung von rund 80 Blättern aus der Schenkung von Georges und Jenny Bloch.
Nach 1972 begann Georges Bloch, seine Sammlung der grafischen Blätter von Picasso in drei Teilen zu veräussern. Rund ein Drittel überliess er dem Israel-Museum in Jerusalem, ein Drittel wurde in einer Auktion bei Kornfeld in Bern versteigert, aus dessen Erlös eine Stiftung errichtet wurde, und ein Drittel (über 500 Blätter) überliess Georges Bloch der auf Lydia Welti-Escher zurückgehenden Gottfried-Keller-Stiftung, mit der Auflage, in wechselnden Museen mindestens alle zehn Jahre eine Ausstellung aus dem Bestand dieser Blätter zu zeigen. Dieser Auflage kommt die Graphische Sammlung mit der Ausstellung «Picasso/Bloch – eine einzigartige Freundschaft» nach einer längeren Pause nun nach. Nach Ausstellungen etwa im Museum Allerheiligen in Schaffhausen, die 1995 dem Thema «Tanz und Kampf» gewidmet war, oder 2011 im Kunstmuseum Bern unter dem Titel «Die Macht des Eros», setzt die Ausstellung in der Graphischen Sammlung die Freundschaft und damit die Erinnerung an Georges und Jenny Bloch in den Fokus, was sich an mehreren Widmungen auf ausgestellten Blättern eindrücklich nachvollziehen lässt. Michael Stettler überliefert aus Gesprächen mit Georges Bloch das eine oder andere Zitat von Picasso: «Tu sais Jacqueline, Bloch il aime mes gravures» («Du weisst, Jacqueline, Bloch mag meine Radierungen») oder «Bloch ce n’est pas une visite, c’est du travail» («Bloch ist kein Besuch, sondern Arbeit»).
Eine einzigartige Ausstellung
In der Ausstellung «Picasso/Bloch – eine einzigartige Freundschaft», die bis zum 9. November in der Graphischen Sammlung gezeigt wird, sind neben den Bloch persönlich gewidmeten Blättern grafische Arbeiten aus allen Schaffensperioden von Picasso, von der frühen «Blauen Periode» bis zum Spätwerk der Jahre nach 1960, vertreten. Dabei kommt auch Blochs grosse, vom Künstler gewürdigte und geschätzte Kenntnis der druckgrafischen Arbeit zum Ausdruck. Bloch wusste die verschiedenen Zustände der in unterschiedlichen Drucktechniken und verschiedenen Druckgängen entstandenen grafischen Blätter zu erkennen und zu unterscheiden. Als Picasso Bloch einmal auf die Probe stellte und ihm ein Blatt mit dem Hinweis vorlegte, dass er dieses in seiner Sammlung nicht besitze, antwortete Bloch, er kenne und verfüge über das Blatt in einem anderen Zustand der Druckplatte. In der Ausstellung zu sehen sind auch einige Porträts von Picassos Partnerinnen und als Beispiel für zahlreiche Bücher, die Picasso illustriert hat, die Illustrationen, die der Künstler zu Honoré de Balzacs «Le chef-d’oeuvre inconnu» Ende der 1920er Jahre geschaffen hatte. Besonders eindrücklich sind einige Blätter namens «Sucno y mentiera de Franco», die Picasso 1937 im Umfeld seines berühmten Bildes gegen den spanischen Bürgerkrieg, «Guernica», schuf.
Der Wohltätigkeit verschrieben
Neben seinem «Lebenswerk», dem vierbändigen Katalog, welcher Pablo Picassos Druckgrafiken vereint, haben Georges Bloch und seine Gattin Jenny Margot aber auch eine weit gefächerte mäzenatische und karitative Tätigkeit entfaltet. So gehörte Georges Bloch zusammen mit Nettie Sutro-Katzenstein und Pfarrer Paul Vogt 1933 zu den Begründern des Schweizerischen Hilfswerkes für jüdische Flüchtlingskinder, woraus nach dem Ende des Krieges erneut mit Nettie Sutro-Katzenstein die Gründung des Schweizer Kinderdorfes Kiriat Yearim in Israel erwuchs.
Der Schutz und die Förderung von Kindern und Jugendlichen war und blieb stets ein Anliegen von Georges und Jenny Bloch, die neben Pro Senectute über Jahre auch Pro Juventute oder das Schweizerische Jugendsinfonieorchester unterstützten. Diese Unterstützungen wurden über Jahre von der von Georges und Jenny Bloch und der vor Kurzem verstorbenen Bettina Girsberger-Littman etablierten Georges-und-Jenny-Bloch-Stiftung aufrechterhalten, bevor die Stiftung sich Ende 2024 auflöste.
Damit ist ein geringer Teil der «ausserberuflichen» Tätigkeiten und Verdienste von Georges Bloch auch nicht annähernd gewürdigt. Hierunter anzuführen wären auch seine Aktivitäten für die Israelitische Cultusgemeinde Zürich und im Verband der Schweizerischen jüdischen Fürsorge. 1981 verlieh die Universität Zürich Georges Bloch die Würde eines Ehrendoktors in Anerkennung seiner zahlreichen Verdienste sowohl im Bereich der Kunst wie seiner weiteren mäzenatischen und karitativen Tätigkeiten.
Georges Bloch verstarb 1984, seine Frau Jenny 1989. Es bleibt zu hoffen, dass ihr Vermächtnis der zunächst auf sechs, später auf acht verschiedene öffentliche Kunstsammlungen in der Schweiz, darunter die Graphische Sammlung der ETH Zürich, die Kunstmuseen in Zürich, Bern und Basel und jenes in Jerusalem, verteilte Sammlung der Grafik des Jahrhundertkünstlers Pablo Picasso, das regelmässige Gedenken an das grosse mäzenatische Wirken des Paares wachhalten wird.
«Picasso/Bloch – Eine einzigartige Freundschaft», 20. August bis 9. November, Graphische Sammlung der ETH Zürich.