BASEL 14. Jan 2022

Eine fragile Normalität

Die Emuna Basel führte das Wintermachane 2021 durch, die Teilnehmenden genossen das Zusammensein.

Die jüdischen Kindergärten, Schulen und Jugendtreffs in Basel, Bern und Zürich sind geöffnet, allerdings nur für negativ Getestete – die Ungewissheit ist daher gross.

Nachdem viele Kindergärten und Schulen nach den Winterferien erst einmal alle Schülerinnen und Schüler auf das Coronavirus getestet haben, läuft der Unterricht an den jüdischen Institutionen in Basel und Zürich nun «normal», allerdings mit den vom Bund vorgegebenen Massnahmen wie unter anderem der Maskenpflicht für Kinder ab der ersten Klasse und dem regelmässigen Testen für alle (tachles online berichtete). Auch die Jugendbünde nehmen ihr Programm wahr und stellen sich auf die besondere Situation ein. So sagt Linda Shepard, Präsidentin der Jugendkommission der Jüdischen Gemeinde Bern, auf Nachfrage, dass die Dubim-Programme der Kinder- und Jugendlichen der Gemeinde unter Berücksichtigung der geltenden Abstands- und Hygienemassnahmen weitergeführt werden: «Kinder mit Symptomen kommen nicht in die Dubim. An Dubim-Anlässen gelten keine Einschränkungen. Dennoch tragen die Kinder in Innenräumen und bei näheren Kontakten Masken – auch die Kleinen.» Linda Shepard fügt an: «Dies tut dem Spass keinen Abbruch, sind sie sich dies doch von der Schule her mittlerweile gewohnt.» Die Jüdische Gemeinde Bern verfüge jeweils über die Liste der an den Anlässen Anwesenden und aktuell stünden aufgrund der Pandemie keine gemeindeübergreifenden Aktivitäten auf dem Programm.

Programm trotz Einschränkungen
Der neue Leiter Jugend und Veranstaltungen der Israelitischen Gemeinde Basel, Raz Dagan, sagt: «Aktuell befinden wir uns in der Planungsphase für das laufende Jahr. Wir beginnen im Januar mit einem Bowling-Anlass.» Zukünftig soll es regelmässig Programme für Kinder und Jugendliche auch ausserhalb der Jugendbünde geben und die Gemeinde möchte zudem vermehrt Aktivitäten für die ganze Familie anbieten. «Die aktuelle Covid-Situation ist natürlich schwierig für uns, aber dennoch versuchen wir, ein attraktives Programm im Rahmen der Möglichkeiten aufzugleisen», so Raz Dagan. Innerhalb der Jugendbünde seien alle über 16-Jährigen geimpft, sagt er. «Wir tragen grundsätzlich Masken in Innenräumen. Zudem nehmen ja alle Schülerinnen und Schüler an den wöchentlichen Tests in der Schule teil.» Das Wintermachane konnte erfolgreich durchgeführt werden, es sei «sehr erfolgreich» gewesen, wie auf dem Foto zu sehen ist. Dies war auch in Zürich der Fall. Laut Ron Caneel, der in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) für die Jugend zuständig ist, sei das Wintermachane ein grosser Erfolg gewesen: «Zum Glück gab es auch keine Coronafälle zu berichten.» Für alle Jugendbünde gelten im Gemeindehaus der ICZ die offiziellen BAG-Anforderungen von 2G mit Maskenpflicht. Auch der Hagoschrim trifft sich am Schabbat wie gewohnt mit diesen Einschränkungen. «Generell versuchen wir mit grossen Anstrengungen, den Kindern die normalen Aktivitäten zu ermöglichen, natürlich immer unter Einhaltung der BAG-Vorschriften und denen der ICZ-Corona-Task-Force. Aufgrund der aktuellen Lage haben wir aber zusätzlich geplante Aktivitäten wie das Freitagsessen oder den Sporttag absagen müssen», so der Jugendleiter der ICZ. Die Verantwortlichen hoffen, dass im Frühling wieder ein aktiveres Programm angeboten werden kann.

Masken für die Kleinen
Innerhalb der Schulen scheint es keine grösseren Probleme angesichts der Situation zu geben. Der Rektor der Jüdischen Schule Noam in Zürich, Zsolt Balkanyi-Guery, sagt: «Wir testen zweimal die Woche, es gab bis anhin keine positiven Pools der Schülerinnen und Schüler. Wie ich sehe, halten sich die Kinder an die Maskenpflicht – so weit wie das kleine Kinder können, die sich im Spiel ja auch mal vergessen und verlieren. Bei den älteren Schülerinnen und Schülern ist die Maske kein Problem.» Auch die Schule der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (Vorkindergarten und Kindergarten) testet weiterhin wöchentlich, wie die Schulleiterin Esther Beck betont: «Glücklicherweise haben wir aktuell keine weiteren positiven Fälle gemeldet bekommen.» Ein paar Kinder seien seit den Ferien in Quarantäne gewesen, sie sollten aber in Bälde wieder vor Ort sein und die Schule besuchen. Auch der Kindergarten der Israelitischen Gemeinde Basel läuft zurzeit nach Plan, wie Geschäftsführerin Isabel Schlerkmann mitteilt: «Unser Kindergarten ist geöffnet und nimmt an den staatlichen Pooltestungen teil. Dienstag war das Resultat negativ und daher konnte der Kindergarten unter Einhaltung der geltenden Vorschriften weiterhin stattfinden.» Kurzzeitig schliessen aber musste die Jüdische Primarschule Leo Adler in Basel. Ihr Präsident Peter Bollag sagt: «Die Tests sind nach den Ferien gut angelaufen, es wird einmal pro Woche getestet. Die Kinder haben anscheinend keine Probleme mit den Masken, auch die kleineren nicht.» Leider habe es über das Wochenende einen Fall von Corona bei einem Schulkind gegeben. «Deshalb blieb die Schule zur Sicherheit am Montag geschlossen, Dienstag aber fand der Unterricht wieder normal statt. Es gab noch zwei weitere Fälle bei den Schulkindern, alle anderen Tests waren negativ.» Es wird deutlich: Die Schulleitungen, das Personal, die Eltern, Schülerinnen und Schüler tun ihr Möglichstes, um den Betrieb am Laufen zu halten, auch wenn dies nicht immer einfach ist. Die Ungewissheit darüber, wie das Programm mittelfristig aussieht, ist zurzeit sehr gross. So wird mit Spannung das jeweilige Testergebnis erwartet – wenn es negativ ist, kommt Freude auf, ansonsten heisst es umdenken, umplanen und hoffen, dass nicht viele Kinder betroffen sind. Normalität sieht anders aus.

Valerie Wendenburg