Schlagabtausch zwischen JD Vance und Abdul El-Sayed; Auftritt des Vizepräsidenten bei der Republican Jewish Coalition in Las Vegas.
Es dürfte kein Zufall gewesen sein, dass JD Vance kurz vor seinem nichtöffentlichen Auftritt bei der Republican Jewish Coalition (RJC) in Las Vegas Montagnacht in Michigan hart gegen Abdul El-Sayed ausgeteilt hat. Der linke Israel-Kritiker und Senats-Kandidat stehe für eine «wirklich, wirklich böse Entwicklung» in den USA und betrachte sich «nicht als Bürger einer gemeinsamen Nation, die für jeden Einzelnen kämpft – ob Jude oder Christ, ob weiss, schwarz oder braun». El-Sayed führe vielmehr einen «Kampf für eine bestimmte Gruppe auf Kosten anderer». Dies zerstöre die Vereinigten Staaten von Amerika.
Im Kontext mit einer neuerdings rasch zunehmenden Rhetorik auf der Rechten ordnet die «New York Times» dies als Versuch ein, «El-Sayed mithilfe antimuslimischer Stereotypen zu dämonisieren». So hat Joe Gruters, der Vorsitzende des Republican National Committee, auf Fox News erklärt, El-Sayed wäre «der Typ, der mit den Attentätern von 9/11 befreundet gewesen» wäre (Link).
Womöglich wollte Vance so das Publikum beim RJC freundlicher stimmen, dass ihn aufgrund seiner Freundschaft mit dem rechten Meinungsmacher Tucker Carlson kritisch betrachtet. Dieser agitiert nicht nur zunehmend scharf gegen das Bündnis mit Amerikas mit Israel, sondern hat auch den bekennenden Judenhasser und Hitler-Fan Nick Fuentes auf seiner Plattform ausführlich zu Wort kommen lassen. Vance hat es abgelehnt, Carlson deswegen zu verurteilen und selbst betont, die USA und Israel könnten durchaus unterschiedliche Interessen verfolgen.
Beim RJC, das massgeblich von Miriam Adelson unterstützt wird, mit der wichtigsten Spenderin Trumps und der Republikaner insgesamt, ging Vance auf den Disput ein. Er distanzierte sich aber nicht von Carlson, sondern stufte Stimmen wie Fuentes als antisemitisch eine, die besessen von der Idee einer «jüdischen Blutschuld» seien. Dies wäre etwa bei dem populären Podcaster Joe Rogan nicht der Fall, der den neuen Iran-Krieg, die Kriegsführung der IDF in Gaza und die Gewalt von Siedlern auf der besetzten Westbank verurteilt hat (Link).
Generell, so Vance weiter, sei der zunehmende Antisemitismus vor allem eine Folge von Einwanderung und der «Einfuhr grosser Menschengruppen, die ihre ethnischen Rivalitäten mitbringen», nicht aber Ergebnis eines Stimmungswandels in der amerikanischen Bevölkerung. Auch damit können eigentlich nur Muslime gemeint sein. Der Vizepräsident betonte, dass er und die gesamte Trump-Regierung die jüdische Gemeinschaft «lieben» und dass diese «stets Teil des Teams sein wird, solange ich dabei ein Mitspracherecht habe» (Link).
Vance hinterliess anscheinend einen guten Eindruck und konnte Vorbehalte bei Aktivisten und Spendern ausräumen, die er 2028 bei den Präsidentschaftswahlen an seiner Seite wissen will. Allerdings fiel der Applaus im Saal stärker aus, als bei anderen Gelegenheiten der Name von Marco Rubio fiel, der als stärkster Konkurrent von Vance für 2028 gehandelt wird.
Abdul El-Sayed konterte die Attacke von Vance auf CNN noch in der Nacht zum Dienstag: Wirklich «böse ist die Vorstellung, Kriege anzuzetteln, wenn Frieden herrscht. Böse ist die Idee, Menschen die Gesundheitsversorgung zu entziehen, wenn sie absolut keine andere Wahl haben. Böse ist es, so etwas zu tun, nur um Steuersenkungen für Milliardäre durchzusetzen.» Und es sei auch «böse, sich korrumpieren zu lassen, weil man ein bisschen mehr Macht will.» Damit war der Fakt gemeint, dass Vance vor seiner Berufung als Vize Trump wiederholt als Gefahr für die Demokratie im Lande bezeichnet hat (Link).