ISRAEL 13. Okt 2021

Wird Tzippi Livni JA-Chefin?

Yair Lapid und Tzippi Livni in der Knesset.

In Jerusalem herrscht ein buntes Ämterreigen.

Die Nachricht vom nicht ganz freiwilligen Verzicht von Elazar Stern (Jesch Atid) auf das Amt des Vorsitzenden der mächtigen Jewish Agency war noch nicht ganz verhallt, da gab es schon den Namen einer potentiellen Nachfolgerin: Tzippi Livni, die von progressiven, mitte-links Parteien, Organisationen und Abgeordneten kräftig portiert wird. Nicht-orthodoxe Kreise und Bewegungen sehen hier eine gute Chance, ihrem liberalen Gedankengut den Weg vom Rand der Gesellschaft zum Zentrum zu ebnen. Getragen werden diese Aktivitäten auch von der wachsenden Furcht einer «Übenahme» der Jewish Agency durch religiös-nationalistische Kreise, nachdem laut «Haaretz» Sten, der einzige, selbst-definierte zentristische Kandidat, wegen seiner zweifelhaften Redensarten gegen Unbotmässige den Weg zur JA-Spitze frei machen musste. Progressive jüdische Bewegungen und israelische Parteien von mitte-links suchen klarerweise nach einem neuen «grossen Namen», der sie repräsentieren konnte. Haben sie ihn in der Person von Tzippi Livni gefunden? Das bleibt abzuwarten. Für die Frau spricht nicht nur, dass sie eine Frau ist, sondern, dass sie auch im Laufe ihrer Karriere zahlreiche wichtige parlamentarische Posten in Israel versehen hat: Als Aussen-, Justiz- und Alijah-Ministerin. Lange Weile wird jedenfalls in der israelischen Politik vorerst  nicht aufkommen. Dass Tzippi Livni sich im Februar 2019 aus der aktiven Politik verabschiedet hatte, kann jetzt problemlos als wohlverdiente Auszeit interpretiert werden. Dass sie sich jetzt eigentlich daran gemacht hat, Vorsitzende der Regierungsgesellschaft zu werden, die verantwortlich zeichnet für den Bau der Leichtbahn von Tel Aviv. Der Vorsitz der Jewish Agency wäre da sicher der politisch wichtigere Posten. Wie gesagt: Lange Weile wird bei Frau Livni während der Entscheidungsfindung und auch danach bestimmt nicht aufkommen.

Jacques Ungar