Anhörung für Jeremy Carl.
Jeremy Carl soll die Trump-Regierung zukünftig als Staatssekretär im Aussenministerium bei Internationalen Organisationen vertreten. Doch Ende Woche stiess seine Nominierung im Auswärtigen Senats-Ausschuss selbst bei Konservativen auf Kritik. Carl ist als glühender Vertreter der rassistischen «Replacement-Theorie» hervorgetreten, hat ein Buch über die angeblich durch Farbige und Fremde bedrohte «Weisse Identität» geschrieben und 2021 nach einem Posten in Trumps Innenministerium auf Social Media über das Miteinander verschiedener Ethnien oder Kulturen geschrieben: «Es gibt keine `friedliche Koexistenz´… Wir werden entweder gewinnen oder sterben.» Mit «wir» sind «Weisse» gemeint. Zudem würden Weisse zunehmend zu «Bürgern zweiter Klasse in einem Land werden, das unsere Vorfahren gegründet haben».
Carl erklärte vor dem Senatsausschuss, der Verlust einer dominanten weissen Kultur schwäche Amerika, kam aber in Nöte bei der Erklärung antisemitischer Äusserungen. Er hatte 2024 an einem Podcast gesagt: «Die Juden sehen sich gern als Unterdrückte… Juden haben sich oft lieber als Opfer gesehen, anstatt zu akzeptieren, dass sie Teil der Geschichte sind.» Zudem stünden Juden hinter dem «grossen Austausch» von weissen Bevölkerungsmehrheiten durch Farbige und Fremde. Juden hätten historisch Berufe gewählt, die sie zu «unterdrückenden Persönlichkeiten» machten. Es sei «daher nicht verwunderlich, dass die Nachkommen der Kosaken ihnen gegenüber Groll gehegt» hätten. Zum Holocaust sagt Carl schlicht: «Jeder Mensch hat Traumata in seiner Vergangenheit» (Link).
Neben Bürgerrechts-Organisationen und mehreren Demokraten sprach sich der republikanische Ausschuss-Vorsitzende John Curtis aus Utah nach der Anhörung für eine Ablehnung der Nominierung aus, Carl sei «nicht die richtige Person, um die Interessen unserer Nation in internationalen Foren zu vertreten.» Carl erklärte am Freitag auf Social Media, er sei kein weisser Nationalist: «Die weisse Kultur war schlicht die Kultur der überwältigenden Mehrheit der Amerikaner, die hier lebten», bevor die Einwanderungsreform von 1965 «die amerikanische Demografie radikal veränderte».
Das Weisse Haus hält anhin an der Nominierung fest und erklärte, Carl sei hervorragend für das Aussenministerium geeignet. Als gut vernetzter Mitarbeiter des ultra-konservativen «Clarmenotn Institute» gilt er als prominenter Vertreter christlich-nationalistischer Kräfte, die zunehmend an Einfluss bei den Republikanern gewinnen (Link).