Iran-Krieg 04. Mär 2026

USA und Israel in Kontakt mit Kurden

Vertrautes Muster in Nahost-Konflikten.  

Wie nun von «Axios» vermeldet, hat Trump bereits am Sonntag mit kurdischen Führern im Irak telefoniert. Thema soll der laufende Krieg und damit langjährige Unabhängigkeitsbestrebungen iranischer Kurden sein, die in der kurdischen Region Iraks Unterschlupf finden. Die irakischen Kurden verfügen über Tausende Soldaten entlang der iranisch-irakischen Grenze und kontrollieren strategisch wichtige Gebiete, die im Verlauf des Krieges an Bedeutung gewinnen könnten. Nach letzten Meldungen mobilisieren sie diese Kräfte mit Hilfe der CIA für mögliche Operationen auf iranischem Staatsgebiet (https://www.cnn.com/2026/03/03/politics/cia-arming-kurds-iran). Dies würde dem Muster der Invasion in Afghanistan nach 9-11 entsprechen, als die USA zunächst mit Spezialeinheiten Kontakte zu indigenen Gegnern der Taliban aufbauten und dann gemeinsam auf Kabul vorstiessen.

Trump hat demnach mit mit den Führern der zwei dominanten, kurdischen Fraktionen im Irak gesprochen – Masoud Barzani und Bafel Talabani. Dies ist ein weiteres, vertrautes Element kurdischer Geschichte und Gegenwart: die grösste ethnische Gruppe ohne eigene Nation in Nahost mit rund 40 Millionen Angehörigen ist entlang tribaler und regionaler Konflikte gespalten, was etwa den Kampf gegen die brutale Repression Saddam Husseins im Irak stets erschwert hat. Gleichzeitig bieten diese Differenzen seit jeher Möglichkeiten für externe Akteure, die «kurdische Karte» zu spielen. Dies geschah Mitte der 1970er Jahre, als Israel, die USA und das Schah-Regime im Iran die irakischen Kurden zunächst gegen Saddam unterstützten – und dann wieder fallenliessen. Mit verheerenden Folgen für die Kurden.

Dieses Muster könnte sich nun wiederholen. Laut Axios waren die Telefonate Trumps «Höhepunkt monatelanger Lobbyarbeit» von Binyamin Netanyahu hinter den Kulissen: «Israel unterhält seit Jahrzehnten enge Sicherheits-, Militär- und Geheimdienstbeziehungen zu den Kurden in Syrien, im Irak und im Iran.» Eine Axios-Quelle erklärte: «Es herrscht die allgemeine Ansicht, und ganz sicher auch Netanyahus, dass die Kurden aus ihren Löchern kriechen werden … dass sie sich erheben werden.» 

Ein kurdischer Aufstand im Iran könnte das Ende des Vielvölkerstaates der Islamischen Republik bedeuten. Minoritäten wie Balutschen oder Kurden führen seit Jahrzehnten einen Guerilla-Krieg gegen das Regime und werden darin angeblich von den USA und/oder Israel unterstützt. 

Am Sonntag hat die kurdisch-iranische Separatisten-Bewegung «Partei der Freiheit Kurdistans» (PFK) Teheran eine verheerende Kampagne mit Raketen- und Drohnenangriffen in der Kurdenregion im Nordwesten des Landes vorgeworfen. Und sechs Tage vor Kriegsbeginn verkündeten fünf kurdische Dissidentengruppen, die im Irak Zuflucht gefunden hatten, die Gründung der Koalition der Politischen Kräfte Iranisch-Kurdistans (CKP) zum Kampf gegen Teheran.

Problematisch an diesem «Spiel mit der kurdischen Karte» ist nicht zuletzt das Verhalten Ankaras. Die moderne Türkei führt seit deren Gründung nach 1918 immer wieder brutale Repressionskampagnen gegen die eigene, kurdische Minderheit durch und interveniert in Syrien gegen dortige Separatisten. Ein neuer Kurdenstaat unter israelisch-amerikanischen Vorzeichen dürfte nicht nur von Präsident Recep Tayyip Erdoğan als existentielle Bedrohung der Türkei wahrgenommen werden (Link).

Mit Blick auf «Nachkriegspläne» der USA und Israels für Iran geht etwa der umstrittene Iran-Beauftragte unter Biden, Rob Malley, nicht von einem «Regimewechsel», sondern der Zerstörung des iranischen Staates und dessen Aufspaltung in ethnischen Kleinstaaten aus (Link). Ein solches Szenarium könnte die Balkan-Krisen nach 1990 an Gewalt und Konsequenzen noch in den Schatten stellen.

Andreas Mink