Französische Botschaft in Berlin und Claims Conference richten Ausstellung mit Arbeiten des Fotografen Harry Croner über den Beginn der Schoah in Frankreich aus.
An der französischen Botschaft in Berlin, Wilhelmstr. 69, eröffnen Vertreter von Paris und der Jewish Claims Conference heute Montag eine Ausstellung, die an die erste grosse Razzia gegen Juden im von Deutschland besetzten Paris am 14. Mai 1941 erinnert, die sogenannte Rafle du billet vert oder «Razzia des grünen Zettels». Anwesend sind zudem Repräsentanten der französischen Kommission für die Restitution von Kulturgütern und die Entschädigung der Opfer antisemitischer Enteignungen (CIVS) und des Mémorial de la Shoah in Paris.
Vor 85 Jahren hatte die französische Polizei in Paris auf Befehl von SS und Gestapo etwa 3800 jüdische Männer verhaftet und zunächst in die Lager Pithiviers und Beaune-la-Rolande verschleppte, wo sie 13 Monate interniert waren. Etwa 700 von ihnen gelang die Flucht. Rund 3100 der Verhafteten wurden im Juli 1942 nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet. Die Verfolgung der Juden in Frankreich hatte mit dem deutschen Einmarsch im Juni 1940 begonnen. Die kollaborierende Vichy-Regierung genehmigte schon Wochen später per Gesetz die Festnahme und Internierung ausländischer Juden. Im Mai 1941 kam dieses Gesetz erstmals durch die Aussendung von grünen Zetteln an meist aus Polen und Tschechien stammende Juden, die sich am14. Mai an einer Turnhalle «zur Klärung ihrer Aufenthaltsgenehmigungen» einfinden sollten. Dort wurden sie verhaftet (Link).
Im Vorfeld der Ausstellung erinnert sich die Überlebende Liliane Ryszfeld: «Die Razzia des grünen Zettels hat mein Leben für immer verändert. Mein Vater wurde vorgeladen, und ist nie mehr nach Hause zurückgekehrt. Die wiedergefundenen Fotos sind für mich ein weltbewegendes Ereignis. Während unsere Generation nach und nach verschwinden wird, hoffe ich, dass trauernde Familien noch weitere Dokumente finden, damit die ganze Wahrheit ans Licht kommt. In Deutschland bei jungen Menschen zu sein, lässt mich auf eine friedliche Zukunft für die kommenden Generationen hoffen. Denn ich habe so sehr gelitten. Diese Razzia war der Auslöser all meiner Albträume.»
Die Ausstellung wurde von der Claims Conference konzipiert und zeigt 98 Fotografien von Harry Croner aus dem des Mémorial de la Shoah. Die Fotos wurden 2020 entdeckt und der Öffentlichkeit erstmals am 10. Mai 2026 in Paris und einen Tag später in Berlin präsentiert.
Cromer war über den Vater jüdischer Herkunft, wurde aber zur Wehrmacht eingezogen und von dem Leiter des «Judenreferats» der Gestapo in Paris, SS-Hauptsturmführer Theodor Dannecker, mit der Dokumentation dieser ersten Razzia beauftragt. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde Croner später als «wehrunfähig» eingestuft und 1944 in einem Arbeitslager an der französischen Kanalküste interniert. Im März 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde im April 1946 freigelassen. Er kehrte nach Berlin zurück und wurde ein anerkannter Presse- und Theaterfotograf. Er starb im September 1992 in Berlin. Von den Bildern der Razzia abgesehen, wird sein fotografischer Nachlass seit 1989 im Stadtmuseum Berlin aufbewahrt (Link).