Der Holocaust-Überlebende und langjährige Geschäftsführer der ADL wurde 86 Jahre alt.
Wie die Anti-Defamation League (ADL) mitteilt, ist ihr langjähriger Geschäftsführer Abraham Foxman im Alter von 86 Jahren gestorben.
Unter Foxmans Führung entwickelte sich die 1913 gegründete Organisation von einer Abteilung von B’nai Brith zu einer einflussreichen und innovativen Kraft, die ebenso Programme gegen rassische und religiöse Diskriminierung insgesamt aufgegleist hat, wie Antisemitismus in den USA und weltweit beobachtet und diese Arbeit von zahlreichen, regionalen Niederlassungen aus stützt. Foxman selbst wurde laut der JTA zu einer Art Schiedsrichter darüber, was als Antisemitismus gilt – und erteilte gegebenenfalls Absolution. Er sei mitunter scherzhaft als «jüdischer Papst» bezeichnet worden.
Foxmans Nachfolger Jonathan Greenblatt erklärte am Sonntag: «Amerika und das jüdische Volk haben eine moralische Stimme, einen leidenschaftlichen Fürsprecher des jüdischen Volkes und des Staates Israel sowie eine herausragende Führungspersönlichkeit verloren.» Foxman habe sich für ein Amerika ohne Antisemitismus und Hass eingesetzt und fest daran glaubte, dass diese Geisseln besiegt werden könnten, wenn sich ihnen anständige Menschen entgegenstellten.
Foxman wurde 1940 in Polen geboren und überlebte den Holocaust, nachdem seine Eltern ihn ihrer katholischen Kinderpflegerin anvertraut hatten. Wider Erwarten gelang den Eltern 1946 eine Wiedervereinigung. Die Familie wanderte 1950 nach New York City aus, wo Foxman die Yeshiva of Flatbush, das City College of New York und schliesslich die juristische Fakultät der New York University absolvierte.
1965 trat er der ADL als stellvertretender Leiter der Rechtsabteilung bei und stieg über diverse Positionen 1987 zum nationalen Direktor auf. Er hat seinerzeit der JTA erklärt: «In unserem Geschäft gibt es keine Flaute. Wir beschäftigen uns mit Worten. Wir haben gelernt, dass Worte die Macht haben zu töten». Solchen Worten müsse widersprochen werden. Foxman stand dabei bis zu seiner Pensionierung 2015 in der ersten Reihe.
Damals schien der Antisemitismus zumindest in den USA auf einem historischen Tiefstand zu sein. Foxman wollte diesen Trend nicht auf die eigene Arbeit zurückführen, sagte aber, er habe die Gelegenheit geschätzt, eine Welt mitzugestalten, die von Werten geprägt sei, die sich stark von denen seiner Kindheit in Polen unterschieden: «Inwieweit meine Erfahrungen in der Shoah, in den DP-Lagern und mein Kontakt mit dem Katholizismus damit zu tun hatten, weiss ich nicht … Ich hatte grosses Glück.»
Foxman hat sich stets in Klartext geäussert und ging Konfrontationen nicht aus dem Weg, galt aber auch als herzlich, als «Mensch» und Brückenbauer. Darauf ging Nicole Munchnik als Vorstandsvorsitzende der ADL am Sonntag ein: «Abe Foxman hat die moderne liberale Ära Amerikas massgeblich geprägt. Er galt weltweit als herausragende Führungspersönlichkeit und leidenschaftlicher Verfechter der Toleranz, als Stimme der Generation, die im Schatten der Shoah den Wiederaufbau vorantrieb, und als langjähriger Berater amerikanischer Präsidenten und anderer Staats- und Regierungschefs. Für diejenigen von uns, die ihn kannten, war Abe ein herzlicher Freund, Ratgeber, temperamentvoller Kritiker und ein umarmender Mensch – besonders gern beim Mittagessen.»
Foxman hinterlässt seine Frau Golda, die Töchter Michelle und Ariel sowie vier Enkelkinder (Link).