Iran-Krieg 11. Mai 2026

Prinz Turki Al-Faisal klärt die Fronten

Prinz Turki Al-Faisal in Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate, 2015.

Meinungsbeitrag des angesehenen ex-Geheimdienstchefs von Saudi-Arabien.

Als Enkel des Staatsgründer Abd el Aziz ibn Saud, langjähriger Geheimdienstchef und ex-Botschafter in London und Washington hat Prinz Turki Al-Faisal immer noch Gewicht. Nun fällt der 81-Jährige durch eine rare Wortmeldung in arabischen Medien auf. 

Der Prinz will damit Kritik und Fragen über die Haltung Saudi-Arabiens zum laufenden Krieg Israels und der USA gegen den Iran klären. Das Königreich habe den Ausbruch des Konfliktes zunächst mit aller Kraft zu verhindern gesucht und anschliessend intensive Bemühungen zu einer Beilegung auf diplomatischem Weg unternommen. Dies sei «ohne grosses Aufsehen, ohne theatralische Gesten, ohne Selbstdarstellung und ohne grossspurige Drohgebärden» geschehen und entspreche der saudischen Tradition von der Gründung an: «Demnach wiegen Taten schwerer als Worte. Während die `Fliegen´ der sozialen Medien summten und lärmten, verhielt sich das Königreich besonnen, geduldig und handlungsaktiv.»

Dann teilt der Prinz aus: «Iran und andere» hätten versucht, das «Königreich in den Glutofen der Zerstörung zu zerren». Doch die saudische Führung habe sich entschlossen, «die von einem Nachbarn verursachten Schmerzen zu ertragen, um das Leben und das Eigentum ihrer Bürger zu schützen.» Das Königreich sei durchaus fähig gewesen, «dem Iran mit gleicher Münze heimzuzahlen und iranische Einrichtungen sowie Interessen zu zerstören». Aber dies hätte eine Eskalation und «die Zerstörung saudischer Ölanlagen und Entsalzungswerke entlang der Küste des Arabischen Golfs – ja, selbst tief im Landesinneren des Königreichs» zeitigen können.

Dann nimmt der Prinz Israel aufs Korn: «Wäre der israelische Plan, einen Krieg zwischen uns und dem Iran zu entfachen, aufgegangen, so wäre die gesamte Region in Ruin und Zerstörung gestürzt worden. Tausende unserer Söhne und Töchter wären in einer Schlacht gefallen, an der wir keinerlei eigenes Interesse hatten. Israel wäre es gelungen, der Region seinen Willen aufzuzwingen und als einziger Akteur in unserem Umfeld übrig zu bleiben.»

Die «Weisheit und Weitsicht von Kronprinz Mohammed bin Salman» habe dem Königreich die Schrecken des Krieges erspart. Nun sei Riad gemeinsam mit Pakistan dabei, «die Flammen der Kampfhandlungen zu löschen». Zudem habe es der Kronprinz «dem Iran nicht gestattet, die brüderlichen Golfstaaten zu entzweien und sei auch durch praktische Hilfen solidarisch an deren Seite gestanden (Link).

Der Beitrag wirft sicherlich Fragen auf – so gab es vor den neuerlichen Angriffen Israels und der USA zahlreiche Meldungen über ein Drängen des Kronprinzen auf die gewaltsame Beseitigung der Islamischen Republik bei Trump. Zudem werden Differenzen zwischen Riad und den Vereinigten Arabischen Emiraten immer deutlicher. 

Doch die letzten zehn Wochen scheinen in Riad ein Umdenken ausgelöst zu haben – das einen Rückgriff auf den Staatsgründer enthalten könnte: Ibn Saud gilt als entschiedener Gegner der jüdischen Nationalbewegung in Palästina und Israels. Womöglich geben seine Nachfahren nun ein «Abraham-Abkommen» mit Israel auf.

Andreas Mink