Revolutionsgarden bringen Infrastruktur für globalen Datenverkehr ins Spiel.
Den Islamischen Revolutionsgarden nahestehende Medien (IRGC) scheinen ein neues Instrument im Kampf mit Israel und den USA zu entdecken. Demnach solle Iran Hoheitsrechte über die unterseeischen Glasfaserkabel geltend machen, die durch die Strasse von Hormus verlaufen. Dies mit dem Ziel, ausländische Betreiber zur Kasse zu bitten. Damit würde die Islamische Republik ihre Erpressungsmanöver in der Meeresenge quasi unter die Wasserlinie ausweiten. Am Vorabend des Trump-Besuchs in Beijing ist dies ein weiteres Zeugnis für den Beharrungswillen des klerikalen Regimes.
Entsprechende Meldungen waren am Wochenende in den Nachrichtenagenturen Fars und Tasnim publiziert worden. Die fraglichen Unterseekabel von Netzwerken mit Namen wie FALCON, GBI und Gulf-TGN wickeln den Grossteil des Internetverkehrs, der Finanztransaktionen sowie der Cloud-Daten ab, die über Westasien zwischen Europa und Asien fliessen. Die Kabel verlaufen durch Gewässer, die sowohl Fars als auch Tasnim als eindeutig unter iranischer Hoheitsgewalt stehend beschrieben. Daher könne Iran Rechte unter einem UN-Abkommen von 1982 geltend machen (UNCLOS). In Sicht der Garden stelle jedes Kabel, das ohne entsprechende Genehmigung auf dem Meeresboden verlegt worden sei, eine «Besetzung iranischen Bodens unter Wasser» dar und müsse daher einer Lizenzierungspflicht sowie der Erhebung von Gebühren unterworfen werden.
Als Beispiel für Gebühren wird Ägyptens zitiert. Tasnim zufolge bezieht das Land jährlich zwischen 250 und 400 Millionen Dollar aus Kabelverbindungen durch den Suez-Kanal. Iran könne zudem die Wartung und Reparaturen an den Kabeln an sich ziehen. Gleichzeitig aber scheinen die Garden die Kabel als direktes Druckmittel auf amerikanische Tech-Giganten wie Amazon, Google und Microsoft zu betrachten, die auf diese Infrastruktur etwa für KI-Datenzentren in arabischen Golfstaaten angewiesen seien.
Diese Drohungen sind durchaus realistisch. Immerhin haben die mit Iran verbündeten Huthi-Rebellen bereits im Februar 2024 durch einen Angriff auf einen britischen Frachter Schäden an drei wichtigen Unterseekabeln – AAE-1, EIG und SEACOM – am Südende des Roten Meers verursacht (Link).