Bundesrat Ignazio Cassis ist am Montagabend beim Galaabend der Coordination intercommunautaire contre l’antisémitisme et la diffamation (CICAD) in Genf von Demonstrationen begleitet worden.
Während Cassis vor wachsendem Antisemitismus warnte, warfen ihm propalästinensische Aktivisten eine zu israelfreundliche Haltung vor.
Vor dem Genfer Intercontinental-Hotel versammelten sich rund hundert Demonstrierende gegen den Auftritt des Vorstehers des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am jährlichen CICAD-Anlass. Auf Transparenten war unter anderem „Cassis sioniste“ oder „Cassis collabo“ zu lesen. Die Demonstrierenden warfen dem Bundesrat vor, gegenüber Israel eine „komplizenhafte“ Haltung einzunehmen und kritisierten die CICAD wegen einer angeblichen Vermischung von Antizionismus und Antisemitismus.
In seiner Rede sagte Cassis, Juden gehörten „immer zu den ersten Zielscheiben“, wenn komplexe gesellschaftliche Krisen und Spannungen zunähmen. Der Bundesrat verwies auf die steigende Zahl antisemitischer Vorfälle in der Schweiz und rief zu Dialog und gesellschaftlichem Zusammenhalt auf.
Die CICAD hatte den Aussenminister bereits im Vorfeld als Ehrengast angekündigt und erklärt, man erwarte von ihm „klare Antworten“ angesichts der zunehmenden antisemitischen Vorfälle in der Schweiz. Laut der Organisation stieg die Zahl registrierter antisemitischer Vorfälle in der Romandie im vergangenen Jahr deutlich an.
Die Polizei war rund um das Hotel mit einem grösseren Aufgebot präsent. Zunächst drohten Einsatzkräfte mit Wegweisungen und möglichen Verhaftungen, später wurde den Demonstrierenden ein Bereich auf der gegenüberliegenden Strassenseite zugewiesen. Während die Gäste zum Galaabend eintrafen, skandierten Demonstrierende Parolen und riefen den Teilnehmenden „Schande“ zu.