USA – Universitäten 13. Mai 2026

Unruhe bei Hillel

Jüdische Studierende am Middlebury College in Vermont treten aus dem Dachverband aus.   

Die studentischen Vertreter der Hillel-Gruppe am Middlebury College in Vermont haben ihre Organisation in «Jewish Association of Middlebury» umbenannt. Damit wollen die Studierenden an der renommierten Hochschule für Geisteswissenschaften laut dem «Forward» Distanz zu dem Dachverband signalisieren, der ihrer Ansicht nach zu pro-israelisch eingestellt ist.

Der Vorstand der Gruppe hatte zuvor einen einjährigen Beratungsprozess mit Mitgliedern der Campusorganisation, der Universitätsverwaltung und der Leitung von Hillel International unternommen. Die neue Organisation will sich zudem formell von Hillel International trennen. Unklar bleibt momentan, ob die «Jewish Association of Middlebury» dazu bevollmächtigt ist. Die Gruppe wird im wesentlichen bisherige Aufgaben erfüllen, also Veranstaltungen rund um Schabbat und jüdische Feiertage sowie andere jüdische, religiöse und soziale Programme ausführen. Man wolle sich jedoch nicht mehr an Hillel-Richtlinien halten.

Hillel International hatte weder einen Rabbiner noch sonstiges Fachpersonal am Middlebury College beschäftigt und erklärte in einer Stellungnahme, man prüfe derzeit den Status der Verbindung zum College, um sicherzustellen, dass die neue Organisation «unsere Mission und Standards einhält». Der Verband betont zudem: «Gleichzeitig sind wir eine stolz-zionistische Organisation und bieten keine Plattform für Programme, die Israels Existenzrecht als jüdischer und demokratischer Staat innerhalb sicherer Grenzen leugnen.»

Genau diese Haltung gibt laut dem Bericht einer «landesweiten Kampagne gegen Hillel an Hochschulen» in den USA Nahrung. Hillel-Gebäude waren seit dem 7. Oktober wiederholt Schauplatz pro-palästinensischer Proteste, und antizionistische Studierenden-Gruppen fordern neuerdings die Streichung der Mittel für die Hillel-Gruppen oder deren Trennung von der Mutter-Organisation.

Dazu kam es bislang jedoch nur an Middlebury. Allerdings stimmten Studierende an der New School in New York City kürzlich für die Streichung der Mittel für die Hillel-Gruppe auf dem Campus und forderten die Hochschule auf, die Partnerschaft mit der Organisation zu beenden. Die Uni-Leitung hat dies mit der Begründung abgelehnt, sie sei nicht befugt, in dieser Angelegenheit zu handeln. Eine Gruppe jüdischer Studierender und Dozenten der New York University rief ebenfalls zum Boykott von Hillel auf (Link).
 

Andreas Mink