USA 13. Mai 2026

Gute Werte für Daniel Lurie

Der Bürgermeister von San Francisco, Daniel Lurie, hält eine Pressekonferenz ab.  

Der neue Bürgermeister von San Francisco überzeugt mit pragmatischer Politik.  

Mehr als ein Jahr nach seinem Amtsantritt als Bürgermeister gewinnt Daniel Lurie in San Francisco weiterhin überwiegende Zustimmung. Dies zeigt eine neue Umfrage des «San Francisco Chronicle». Demnach geben ihm 74 Prozent der Befragten gute Noten für seine bisherige Arbeit. Die Werte sind stabil gegenüber dem Vorjahr und liegen deutlich höher als jene seiner Vorgängerin London Breed im Jahr 2024.

Luries Werte sind bei einzelnen Themen durchweg stabil oder besser. Letzteres gilt bei zwei seiner wichtigsten Anliegen: der Sauberkeit und der Revitalisierung der Innenstadt. Bei der Revitalisierung der Innenstadt stimmten 71 Prozent der Befragten Luries Bemühungen zu, verglichen mit 63 Prozent im Vorjahr. 67 Prozent befürworteten seine Bemühungen um saubere Wohnviertel, verglichen mit 59 Prozent im Vorjahr.

Dennoch bleiben Schwächen, speziell bei der politisch brisanten Obdachlosigkeit und dem Mangel an erschwinglichem Wohnraum. Bei der Bekämpfung der Obdachlosigkeit stieg die Zustimmung für Lurie jedoch von 44 auf 48 Prozent. Beim bezahlbarer Wohnraum stiegen sowohl Zustimmung als auch Ablehnung leicht an: 39 Prozent befürworteten dies, 50 Prozent lehnten es ab, verglichen mit 36 Prozent bzw. 47 Prozent im Vorjahr. Dennoch findet er eine überwältigende Zwei-Drittel-Mehrheit für eine umstrittene Priorität: eine Reform bei der Bebauung, die höhere Gebäude in einigen Stadtteilen ermöglichen soll. 

Daneben ist eine numerische Mehrheit mit dem Trend bei der Kriminalität zufrieden – ein weiteres Krisenthema der Stadt. Hier zeigen auch Polizeistatistiken einen deutlichen Rückgang. Bemerkenswert in der linksliberalen Hochburg ist, dass der Demokrat bei selbsterklärten «Progressiven» schlechter da steht, als bei «Moderaten». Diese blicken besonders optimistisch in die Zukunft der Stadt, im Gegensatz zu skeptischeren Progressiven und Konservativen.

Lurie scheint es also ausgerechnet in einer politisch traditionell links dominierten Grossstadt zu gelingen, mit bürgernahen und pragmatischen Plänen zu punkten. In diesem Wahljahr könnte der 49-Jährige damit als Vorbild nicht allein für seine Partei dienen (Link).

San Francisco litt bis zu Luries Wahl im November 2024 wie nur wenige Metropolen unter den Nachwirkungen der Covid-Pandemie, die zu einem Einbruch bei Geschäftsimmobilien gesorgt hat. Lurie wurde als «Millionärs-Kind» attackiert und ist Sohn des in der Region renommierten Rabbiners Brian Lurie. Seine Mutter Mimi hatte nach einer frühen Scheidung Peter Haas geheiratet, einen Erben und langjährigen Geschäftsführer der Kleidungsmarke Levi Strauss &Co. 

Daniel Lurie war vornehmlich im Stiftungsbereich tätig und hat vor 22 Jahren die «Tipping Point Community» gegründet und geleitet, die erfolgreiche Konzepte gegen Armut, Kriminalität und Drogensucht entwickelt hat (https://tippingpoint.org/). Er schien von daher also kompetent gerade bei sozialen Brennpunkten. Seine Frau Becca Prowda war Protokollchefin für Gavin Newsom, dem Gouverneur von Kalifornien (Link).
 

Andreas Mink