USA 13. Feb 2018

«Unerschütterliches Engagement für Exzellenz»

Lawrence S. Bacow

Harvard-Universität nominiert jüdischen Präsidenten.


Am Sonntag wurde Lawrence S. Bacow, zum 29. Präsident der Harvard- Universität ernannt. Er wird Drew Faust folgen, der ersten weiblichen Präsidentin der Universität. Nach elf Jahren Amtszeit hatte sie im Sommer ihren Rücktritt angekündigt. Mehr als 700 Personen wurden daraufhin als mögliche Kandidaten vorgeschlagen.  Bacow, der bereits als Kanzler am «Massachusetts Institute of Technology» (MIT) und als 12. Präsident der Tufts-Universität diente, wird im Juli seine Tätigkeit als Präsident aufnehmen.  Er selbst hat drei Abschlüsse von Harvard, einschliesslich eines Ph.D. in öffentlicher Politik. Mit seinen wissenschaftlichen Interessen in den Bereichen Umweltpolitik, Verhandlungen, Wirtschaft, Recht und Politik ist er ein anerkannter Experte für die Beilegung von Umweltstreitigkeiten. In jüngster Zeit hat er seinen akademischen Schwerpunkt auf Probleme in der Hochschulbildung verlagert.
Bacow, Sohn jüdischer Einwanderer wuchs in Pontiac, Michigan auf und träumte davon das MIT besuchen zu dürfen. Seine Eltern kamen als Flüchtlinge in die Vereinigten Staaten. Sein Vater war aus Minsk und floh mit seinen Eltern vor den Pogromen in Osteuropa. Seine Mutter überlebte als einzige ihrer Familie Auschwitz. Mit 19 Jahren wurde sie auf einem der Liberty-Schiffe als Flüchtling nach Amerika verschifft. Beide Elternteile  besassen nichts. Allein der Zugang zu höherer Bildung ermöglichte ihnen die Integration in die amerikanische Gesellschaft. Der neue Präsident will sicherstellen, dass zukünftige Generationen von den gleichen Gelegenheiten profitieren können wie seine Familie. Von der Möglichkeit den Amerikanischen Traum zu erleben. Er sei dankbar, dass er zurückgeben darf, was er bekommen habe, sagte er auf der Pressekonferenz am Sonntag.   Als prominenter Befürworter des Hochschulzugangs für Studenten führte er eine Verdoppelung des Jahresbudgets der Tufts-Universität für finanzielle Hilfe ein, sowie Darlehen durch Stipendien für Studenten aus einkommensschwachen Familien und ein Darlehensrückzahlungshilfeprogramm, das Hochschulabsolventen hilft Karrieren im im Nonprofit-Bereich zu verfolgen. Er setzte sich auch dafür ein, die Präsenz von Frauen und Minderheiten an der Fakultät und in Führungspositionen zu erhöhen. Harvard muss auf diejenigen aufpassen, die durch die Wirtschaft zurückgelassen worden seien sagte er  bei der Pressekonferenz.  «Harvard stand immer für mindestens drei Dinge: das Streben nach Wahrheit, ein unerschütterliches Engagement für Exzellenz und Chancen», fügte Bacow hinzu.  Aus dem Talmud zitierte er die Gedanken eines Gelehrten, der sagte ich habe viel von meinen Lehrern und Kollegen gelernt, aber am meisten von meinen Schülern. Bacow sagte, dass auch er hoffe, dass die Studenten ihm viel über Harvard beibringen werden.

Anna-Sabine Rieder