Universität Cambridge 16. Aug 2026

Tragik, Trauer und Rassismus

Jason Arday wurde am 14. August in London tot aufgefunden.

Der Hintergrund des Selbstmordes von Professor Jason Arday, einem der jüngsten schwarzen Professoren in der Geschichte der Universität Cambridge, ist nun weitgehend bekannt.

Seine Lebensgeschichte galt als inspirierend: Arday lernte erst spät lesen und sprechen, litt an Autismus und konnte enorme Widrigkeiten überwinden. Sie wird auch in seinen noch im August erscheinenden Memoiren aufgezeichnet.

Erst vor wenigen Wochen warfen Akademiker und Medien Arday vor, Teile seiner persönlichen sportlichen Erfolge, vor allem aber seiner Doktorarbeit und akademischer Artikel plagiiert zu haben. Professor Arday zog sich daraufhin umgehend von der Universität Cambridge zurück, um ihr eine Untersuchung der Vorwürfe zu ermöglichen. «Ich mag Fehler gemacht haben, bin aber kein Fantast und kein Lügner», beteuerte Arday, ein sympathischer, cooler 41-jähriger Mann mit hüftlangen Dreadlocks. Es folgten weltweite Medienberichte und Interviews mit Kollegen, Studenten und Verlegern. Am 14. August wurde Arday in London tot aufgefunden.

Hinter den Plagiatsvorwürfen steht der amerikanische Professor Nathan Cofnas, ein jüdischer Wissenschaftler, der 2024 aufgrund seiner umstrittenen Thesen von derselben Universität Cambridge verwiesen wurde. Was besagen diese? Cofnas – er lehrt heute an der Universität Gent – vertritt die pseudowissenschaftliche Ansicht, dass genetische Faktoren eine signifikante Rolle bei Leistungs- und Intelligenzunterschieden zwischen verschiedenen demografischen Gruppen spielten und beispielsweise schwarze Akademiker, Politiker oder Wissenschaftler ihre Positionen nur dank der Diversitätspolitik erreicht hätten. «In einer Leistungsgesellschaft», behauptete er, «hätte Harvard null schwarze Professoren.»

Schon wird gemutmasst, dass diesem tragischen Todesfall eine persönliche Vendetta zugrunde liegen könnte: Einerseits beschuldigte ein jüdischer Cambridge-Professor seine schwarzen Kollegen, ihre Professuren nur Programmen zur Förderung der Chancengleichheit zu verdanken; andererseits wird Nathan Cofnas des biologischen Rassismus bezichtigt. In Grossbritannien machen schwarze Akademiker ein Prozent aller Wissenschaftler aus.

Eva Burke