Der frühere Polizeigeneral und Zentrumspolitiker Yoav Segalovitz erwägt einen Wechsel von Jesch Atid zur arabischen Ra’am-Partei.
Der Schritt könnte Ra’am für jüdische Wähler und Oppositionsparteien akzeptabler machen – und nach der Wahl im Oktober den Sturz von Binyamin Netanyahu ermöglichen.
Segalovitz und Ra’am-Chef Mansour Abbas bestätigten Gespräche über eine Kandidatur des 67-Jährigen auf der Liste der Vereinigten Arabischen Liste. Segalovitz wäre seit Jahrzehnten der erste Politiker einer zionistischen Partei, der sich einer arabisch geführten Partei anschliesst.
Umfragen sehen weder Netanyahus Regierungsblock noch die von Gadi Eisenkot angeführte Opposition bei den erforderlichen 61 Mandaten. Die jüdischen Oppositionsparteien erreichen demnach etwa 58 bis 60 Sitze, Ra’am weitere fünf bis sieben. Damit könnte die Partei wie bereits 2021 zum Königsmacher werden.
Segalovitz leitete früher die Ermittlungs- und Geheimdienstabteilung der Polizei und war in der Regierung von Naftali Bennett und Jair Lapid stellvertretender Minister für innere Sicherheit. In dieser Funktion koordinierte er den Kampf gegen die organisierte Kriminalität in arabischen Gemeinden und geniesst dort hohes Ansehen.
Eine Umfrage von Channel 13 sieht Ra’am mit Segalovitz bei sieben statt bisher fünf Mandaten. Politische Beobachter halten jedoch weniger den Stimmengewinn als die symbolische Wirkung für entscheidend: Ein zionistischer ehemaliger Polizeigeneral an der Seite von Abbas könnte es Eisenkot, Bennett oder Lapid erleichtern, Ra’am nach der Wahl in eine Koalition einzubeziehen. Netanyahu versucht dagegen, eine mögliche Abhängigkeit der Opposition von arabischen Parteien zum zentralen Wahlkampfthema zu machen.
Tomer Almagor