Hintergrundbericht der «Washington Post».
Auf Grundlage von vier anonymen Quellen aus Regierungskreisen berichtet die «Washington Post», dass neben Binyamin Netanyahu auch der saudische Kronprinz bei Trump auf Angriffe gegen Iran gedrängt haben soll. Demnach haben Israel und die USA eng bei der Vorbereitung der seit Samstag laufenden Attacken kooperiert, während Mohammed bin Salman (MBS) «im vergangenen Monat mehrfach privat mit Trump telefoniert und für einen US-Angriff plädiert» habe, während sich er öffentlich auf eine diplomatische Lösung aussprach.
Noch während der letzten Verhandlungen zwischen Iran und Trumps Abgesandten Steve Witkoff und Jared Kushner vorige Woche in Genf hatte Riad nach einem Telefonat zwischen MBS und dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian erklärt, der Kronprinz werde die Nutzung des saudischen Luftraums oder Territoriums für einen Angriff auf den Iran nicht zulassen. Gegenüber der US-Regierung soll MBS jedoch gewarnt haben, dass Iran bei einem Verzicht Trumps auf die Nutzung seiner grossen, in der Region gesammelten Streitmacht gestärkt und aggressiver aus der aktuellen Krise hervorgehen würde.
MBS hatte seinen Bruder, den saudischen Verteidigungsminister Khalid bin Salman, bereits im Januar nach Washington gesandt, um die Trump-Regierung intern vor den Nachteilen eines Nichtangriffs zu warnen.
Riads habe so «ambivalent» agiert, um iranische Vergeltungsmassnahmen gegen die verwundbare Ölinfrastruktur seines Landes zu vermeiden, so die Post. Allerdings bleibt offen, ob die jemenitischen Huthi-Rebellen als letzte, noch halbwegs kriegsfähige Alliierte Irans in der Region bei diesen Manövern und Kalkulationen eine Rolle gespielt haben. Zudem ist denkbar, dass die Post-Quellen Spannungen zwischen den langjährigen Rivalen Iran und Saudi-Arabien schüren wollen.
Jedenfalls hat Iran laut der BBC neben zahlreichen Zielen in arabischen Golfstaaten in deutlich kleinerem Umfang auch Riad und saudische Regionen am Persischen Golf angegriffen, dort aber aufgrund von Abwehrmassnahmen keine Schäden erzielt.
Riad hat die Angriffe am Sonntag harsch verurteilt und die internationale Gemeinschaft aufgefordert, «alle notwendigen und entscheidenden Massnahmen» zu ergreifen, um dem Iran entgegenzutreten. Der Post gegenüber erklärte ein saudischer Offizieller, Riad habe diplomatische Bemühungen um ein Abkommen mit Iran stets unterstützt und man habe «zu keinem Zeitpunkt versucht, den US-Präsidenten zu einer anderen Politik zu bewegen» (Link).