Polen 12. Jul 2026

Rechtsextreme stören Gedenken an Pogrom von Jedwabne

Der polnische Oberrabbiner Michael Schudrich am Mahnmal für das Massaker von Jedwabne im Jahr 2016.  

Das Gedenken an das Pogrom von Jedwabne ist in Polen erneut von rechtsextremen Protesten überschattet worden.

Zum 85. Jahrestag der Ermordung von mindestens 340 jüdischen Einwohnern versammelten sich am Freitag Überlebende, Angehörige, Vertreter der jüdischen Gemeinden sowie hochrangige Politiker am Mahnmal des ostpolnischen Ortes. Gleichzeitig demonstrierten Nationalisten in unmittelbarer Nähe gegen die historische Einordnung des Verbrechens und bestritten die Mitverantwortung polnischer Täter. 

Polens Oberrabbiner Michael Schudrich rief bei der Gedenkfeier dazu auf, gemeinsam der Opfer zu gedenken und die historische Wahrheit zu bewahren. An der Zeremonie nahmen unter anderem die Präsidenten beider Parlamentskammern teil. Aussenminister Radosław Sikorski erklärte, jedes Volk müsse sich seiner Vergangenheit stellen, damit sich solche Verbrechen nie wiederholten. 

Das Massaker von Jedwabne zählt zu den dunkelsten Kapiteln der polnisch-jüdischen Geschichte. Am 10. Juli 1941 wurden während der deutschen Besatzung mindestens 340 Jüdinnen und Juden von einheimischen Polen zusammengetrieben und grösstenteils in einer Scheune lebendig verbrannt. Ermittlungen des polnischen Instituts für Nationales Gedenken (IPN) kamen zum Schluss, dass die unmittelbaren Täter aus der lokalen polnischen Bevölkerung stammten, die Tat jedoch unter deutscher Besatzung und mit deutscher Mitverantwortung verübt wurde. 

Bis heute ist Jedwabne ein Brennpunkt der polnischen Erinnerungspolitik. Nationalistische Gruppen weisen die historische Mitverantwortung von Polen zurück und versuchen regelmässig, die Gedenkveranstaltungen zu stören. Historiker und jüdische Organisationen warnen, dass solche Aktionen die Aufarbeitung des Holocaust erschweren und antisemitische Narrative stärken. 

Redaktion