Britische Juden besorgt über wahrscheinlichen neuen Premierminister
Die beiden wichtigsten jüdischen Dachverbände Grossbritanniens haben mit Sorge auf Äusserungen des wahrscheinlichen künftigen Premierministers Andy Burnham zur Nahostpolitik reagiert. In einem Brief an Burnham warnten das Board of Deputies of British Jews und der Jewish Leadership Council vor einer «verzerrten» Darstellung des Gaza-Krieges, die den Terror der Hamas und deren Verantwortung für das Leid der Zivilbevölkerung ausblende.
Burnham, der nach dem Rückzug von Keir Starmer als einziger Kandidat für die Labour-Führung gilt und voraussichtlich noch im Juli Premierminister wird, hatte eingeräumt, Labour habe zu Beginn des Gaza-Krieges «nicht richtig gehandelt» und zu spät einen Waffenstillstand gefordert. Er kündigte eine härtere Linie gegenüber Israel an, darunter weitere Sanktionen sowie ein mögliches Handelsverbot für Produkte aus israelischen Siedlungen im Westjordanland. Zugleich verurteilte er den Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 und den zunehmenden Antisemitismus in Grossbritannien. Ob Israel einen Völkermord begehe, müsse jedoch von internationalen Gerichten entschieden werden, sagte er.
Die jüdischen Organisationen betonten, Burnhams Verurteilung des Antisemitismus sei zwar willkommen. Seine Kritik an Israel lasse jedoch zentrale Tatsachen ausser Acht – insbesondere die Rolle der Hamas, die Geiseln weiterhin festhalte, sich nicht entwaffne und Zivilisten als Schutzschilde missbrauche. In einer Zeit stark steigender antisemitischer Vorfälle im Vereinigten Königreich sei eine ausgewogene Sprache von führenden Politikern besonders wichtig.
Kelly Hartog