Bern 13. Sep 2026

Ralph Zloczower gestorben

Ralph Zloczower

Ralph Zloczower ist im Alter von 93 Jahren gestorben, wie der Schweizerische Fussballverband (SFV) bestätigte. Er hat den Verband von 2001 bis 2009 als Präsident geführte. Mit ihm verliert der Schweizer Fussball eine seiner prägendsten Figuren – und die jüdische Gemeinschaft der Schweiz eine ihrer über Jahrzehnte sichtbarsten Stimmen.

Im Jahre 2004 schrieb tachles, seit dem Rücktritt von Ruth Dreifuss aus dem Bundesrat sei Zloczower neben dem Unternehmer Rolf Bloch wohl der Schweizer Jude, der am stärksten im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehe.

Zloczowers Funktionärslaufbahn begann 1972 als Präsident des BSC Young Boys. Der Jurist mit eigener Anwaltskanzlei in Bern, FDP-Stadtrat und Oberst im Generalstab der Schweizer Armee brachte bereits damals eine breite Führungserfahrung mit. Von 1982 bis 1989 präsidierte er das Rekursgericht der damaligen Nationalliga, ab 1995 deren Komitee. Im Februar 2001 wählte ihn die Delegiertenversammlung des SFV zum 32. Präsidenten – als Nachfolger von Marcel Mathier.

In seine achtjährige Amtszeit fielen die sportlichen Qualifikationen für die EM 2004 und die WM 2006. Der grösste Erfolg gelang ihm aber auf Funktionärsebene: Im Dezember 2002 vergab die UEFA die EM 2008 an die Schweiz und Österreich – erstmals seit über 50 Jahren fand damit wieder ein Sportgrossanlass dieser Grössenordnung in der Schweiz statt. Als die Qualifikation zur WM 2006 die Schweiz ausgerechnet in dieselbe Gruppe wie Israel loste, wurde Zloczower im tachles-Interview auf einen möglichen Interessenkonflikt angesprochen. Seine Antwort: «Überhaupt nicht. Ich vertrete allein die Schweizer Interessen.» Emotional berühre ihn die Paarung als Schweizer Jude aber «sicher» schon.

Neben Anwaltstätigkeit und SFV-Präsidium übte Zloczower, wie er es selbst nannte, «ehrenamtliche Tätigkeiten im jüdischen Bereich» aus: Seit 1994 präsidierte er die Keren-Hayessod-Ortsgruppe Bern, ehe das Amt nach einer zweijährigen Übergangszeit an ein Co-Präsidium – Dina Thoma-Tennenbaum und Ralph Friedländer – überging. Wie er alles unter einen Hut bringe, kommentierte er 2004: «Ich arbeite immer noch ca. 140 Prozent. [...] Ich habe eine verständnisvolle Gattin. Die ganze Familie trägt mich.»

Zloczower war zudem Mitglied der Jüdischen Gemeinde Bern (JGB) und meldete sich wiederholt öffentlich zu deren internen Debatten zu Wort. An der Gemeindeversammlung zur Wahl des neuen Kantors Teron Cohen (2012) äusserte er Bedenken zum Vorgehen des Vorstands – «ein ungutes Gefühl und viele Fragezeichen». 2017 bezog er in einem tachles-Standpunkt pointiert Stellung gegen einen Beschluss des JGB-Vorstands, der sich gegen die Verbreitung von Chabad-Lubawitsch-Gedankengut in der Gemeinde ausgesprochen hatte – und verteidigte, unter Berufung auf die liberale Gründungstradition der 1848 gegründeten Israelitischen Kultusgemeinde Bern, das Recht auf freie Meinungsäusserung innerhalb der Gemeinde.

SFV-Zentralpräsident Peter Knäbel würdigte Zloczower als jemanden, der dem Schweizer Fussball «mit juristischem Sachverstand, Verhandlungsgeschick und einem aussergewöhnlichen Beziehungsnetz national wie international Gehör und Ansehen verschafft» habe: «Dass die Schweiz 2008 EM-Co-Gastgeber sein durfte, wird für immer mit ihm verbunden sein.» 2009 übergab Zloczower das Präsidentenamt an Peter Gilliéron und wurde zum SFV-Ehrenpräsidenten ernannt.

Redaktion