Tel Aviv 13. Sep 2026

Ultraorthodoxe überholen säkulare Schülerinnen 

Ultraorthodoxe Schülerinnen in Jerusalem, 2022. 

Ultraorthodoxe Schülerinnen in Israel erzielen inzwischen bessere Leistungen im Lesen und in Mathematik als Mädchen an säkularen staatlichen Schulen. Das geht aus einer neuen Auswertung der israelischen Ergebnisse der internationalen PISA-Studie hervor, über die die Zeitung «Haaretz» berichtet.

Besonders deutlich ist der Vorsprung beim Lesen. Bereits 2022 lagen ultraorthodoxe Schülerinnen zwölf Punkte vor ihren nichtreligiösen Altersgenossinnen. Bei den Tests von 2025 vergrösserte sich die Differenz weiter: Die Leistungen der säkularen Schülerinnen entsprechen nach Angaben der Untersuchung einem Rückstand von annähernd zwei Schuljahren. Auch in Mathematik erreichten die ultraorthodoxen Mädchen inzwischen leicht bessere Werte.

Die Entwicklung gilt als bemerkenswert, weil Schulen des ultraorthodoxen Bildungssystems häufig wegen ihres eingeschränkten Lehrplans kritisiert werden. Während Mädchen in der Regel eine breite Allgemeinbildung erhalten, konzentriert sich der Unterricht für Jungen vielerorts auf religiöse Studien. Mathematik, Englisch und Naturwissenschaften werden dort teilweise nur begrenzt oder überhaupt nicht unterrichtet.

Die Ergebnisse der Mädchen lassen deshalb keine Rückschlüsse auf das gesamte ultraorthodoxe Schulsystem zu. Sie verdeutlichen vielmehr die wachsende Kluft zwischen den Geschlechtern: Ultraorthodoxe Frauen erwerben zunehmend beruflich verwertbare Qualifikationen und tragen häufig einen wesentlichen Teil zum Familieneinkommen bei, während viele Männer ihre Ausbildung in religiösen Einrichtungen fortsetzen.

Für das staatliche Schulsystem sind die Resultate zugleich ein Warnsignal. Der Vorsprung der ultraorthodoxen Schülerinnen beruht laut der Untersuchung nicht allein auf deren guten Leistungen, sondern auch auf einem deutlichen Rückgang bei den säkularen Mädchen. Damit verschärft sich die bereits länger dokumentierte Bildungskrise Israels. 

Redaktion