Der Senat der Hansestadt hatte fast ein halbes Jahrhundert lang die «Senator-Biermann-Ratjen-Medaille» vergeben.
Ab diesem Sommer vergibt der Hamburger Senat eine 1978 geschaffene Auszeichnung für Kulturschaffende nicht mehr als «Senator-Biermann-Ratjen-Medaille». Der Preis heisst fortan «Medaille für Kunst und Kultur in Hamburg», so die Kulturbehörde. Als Hintergrund werden bereits 2024 von dem Hamburger Historiker Helmut Stubbe da Luz ausgewertete und zuerst in der «Welt am Sonntag» vermeldete historische Akten zur Biografie von Hans Harder Biermann-Ratjen (1901-1969) in der Zeit des Nationalsozialismus angegeben.
Demnach war der ehemalige Nachkriegs-Kultursenator zuvor NSDAP-Mitglied und hatte dies 1943 in einem Aufnahmeantrag an die Reichsschrifttumskammer angegeben. Biermann-Ratjen wollte seinerzeit einen Roman veröffentlichen. Laut der dpa erklärte Kultursenator Carsten Brosda, die Diskussion um die Vergangenheit des Namensgebers müsse in aller Differenziertheit weiter geführt werden: «Das sollte aber unabhängig von der Ehrung von Personen geschehen, die sich heute für die Kultur in Hamburg starkmachen.»
Die Senator-Biermann-Ratjen-Medaille war 1978 vom Senat zum Gedenken an die Verdienste des Kultursenators gestiftet worden und wurde mehr als 100 Mal verliehen. Im Inaugurationsjahr ging die Medaille an den bildenden Künstler Horst Janssen, die Politikerin Elsbeth Weichmann, den Schauspieler und Regisseur Boy Gobert und den Verleger Heinrich Maria Ledig-Rowohlt (Link).
Die neue «Medaille für Kunst und Kultur in Hamburg» soll im Sommer an Peter Hess verliehen werden, den Gründer der Hamburger Initiative Stolpersteine und «Gedenktafeln Hamburg» (Link).