Bei Vorwahlen in Kentucky schicken Trump und jüdische Organisationen den libertären Einzelgänger ins politische Aus.
Nach unterschiedlichen Umfragen fiel das Ergebnis bei den teuersten Vorwahlen der Republikaner in dieser Saison sehr deutlich aus: Im 4. Kongressbezirk von Kentucky hat der republikanische Mandatsträger Thomas Massie mit 45 zu 55 Prozent eine klare Niederlage gegen seinen von Trump unterstützten Herausforderer Ed Gallrein eingefahren. Massie war als einsamer Gegner ausländischer Militär-Interventionen und Auslandshilfen nicht zuletzt an Israel ein Dorn in der Seite jüdischer Organisation und Trumps, der ihm zudem nicht das Engagement für eine tief gehende Aufarbeitung der Affäre um den Sexualverbrecher Jeffrey Epstein im US-Repräsentantenhaus verzeihen mochte. Trump hatte Massie noch am Sonntag als «schlechtesten republikanischen Kongressabgeordnete aller Zeiten» und zuvor als «Idiot, Spinner und absoluten Schmierlappen» verunglimpft.
Das Ergebnis demonstriert einmal mehr die Macht des bei Umfragen insgesamt immer weiter einbrechenden Präsidenten über seine Basis. Gleichzeitig dürfte das Aus von Massie die Debatte über den Einfluss und das Agieren jüdischer Organisationen in der amerikanischen Politik weiter aufheizen. Allein das American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) hat über den Ableger «United Democracy Project» (UDP) neun Millionen Dollar in Anzeigen gegen Massie investiert. Dazu kamen sieben Millionen Dollar der von jüdischen Spendern unterstützten, von Trump ins Leben gerufenen Organisation «Republican Jewish Coalition Victory Fund». Insgesamt wurden allein für Anzeigen über 32 Millionen Dollar aufgebracht – ganz überwiegend von Gegnern Massies, der die Region östlich von Louisville seit 2012 im Repräsentantenhaus vertritt und sich seither zum schärfsten Kritiker Israels und pro-israelischer Gruppen im konservativen Lager entwickelt hat (Link).
Das UDP ging offen gegen Massie vor: «Er ist der israelfeindlichste Republikaner im Repräsentantenhaus», erklärte UDP-Sprecher Patrick Dorton am Wochenende gegenüber «Politico»: «Wir glauben, dass hier eine Chance besteht, ihn abzuwählen.»
Massie wurde von prominenten Rechten wie Tucker Carlson und Marjorie Taylor Greene unterstützt, die ebenfalls bei Trump in Ungnade gefallen sind und Israel im Namen des «America First»-Prinzips attackieren.
Massie betont, «weder antisemitisch» noch «gegen Israel» zu sein, stellte jedoch die massiven Investitionen pro-israelischer Gruppen gegen ihn zunehmend ins Zentrum seines Wahlkampf und brachte kündigte jüngst einen Gesetzentwurf ein, der AIPAC zu einer Registrierung unter dem «Foreign Agents Registration Act» als Agent einer fremden Macht zwingen würde.