Kolumbien 20. Jun 2022

Niederlage für Rodolfo Hernández bei Präsidentschafts-Wahlen

Rodolfo Hernández

Der Geschäftsmann hatte Hitler mit Einstein «verwechselt».

Mit 50 zu 47 Prozent fiel die Entscheidung zwischen dem Linken Gustavo Petro und dem Geschäftsmann Rodolfo Hernández am Sonntag knapp, aber doch deutlich aus. Umfragen hatten Beide vor wenigen Tagen noch Kopf an Kopf gezeigt. Die Entscheidung gilt als historisch und Anzeichen einer tiefen Unzufriedenheit der 50 Millionen Einwohner starken Nation über ökonomische Ungleichheit und Missstände. Der 62-jährige Petro hatte als junger Mann der bewaffneten Rebellen-Gruppe M-19 angehört, ab 1990 aber den Weg in die legitime Politik eingeschlagen. Er will die Abhängigkeit Kolumbiens vom Öl-Export brechen und hat einen Stop für weitere Bohrungen versprochen. Dafür sollen andere Wirtschaftsbereiche gefördert werden, um breiteren Wohlstand zu entwickeln. Die auch von internationalen Konzern unternommene Öl-Produktion hat immer wieder zu Umweltkatastrophen geführt.

Hernández ist dagegen ein Charakter vom Schlage Donald Trumps, dies aber mit noch extremeren Zügen. Der erfolgreiche Bauunternehmer war Bürgermeister der Stadt Bucaramanga, versprach einen Kampf gegen Korruption und fiel wiederholt durch bizarres Polit-Theater auf. So hat er vor laufenden TV-Kameras einen ihm unbequemen Stadtrat geschlagen. Daneben ist er auf TikTok aktiv. Aus seiner Zeit in Bucaramanga stammt eine Aussage, die ihn diesem Wahlkampf viel zu reden gab. 

2016 hatte Hernández sich als «Gefolgsmann des grossen deutschen Denkers namens Adolf Hitler» bezeichnet, dessen «Empfehlungen» seine Anhänger folgen sollten. Jüngst hat sich Hernández bei «der jüdischen Gemeinschaft» für den angeblichen «Versprecher» entschuldigt: er habe seinerzeit Albert Einstein gemeint (Link). Im Gegensatz zu Trump hat Hernández seine Niederlage jedoch noch in der Wahlnacht eingestanden (Link).

Andreas Mink