USA 05. Jul 2026

Neonazi-Aufmarsch in Washington

Mitglieder der Patriot Front, National Mall in Washington, D.C., 2023. (Quelle: Telegram)

Die «Patriot Front» exerziert eine Macht-Demonstration.

Zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit ist am Samstag auch die neofaschistische «Patriot Front» (Link) durch Washington, D.C., gezogen. Dabei marschierten Hunderte einheitlich in Khakihosen, blaue T-Shirts und helle Baseball-Kappen gekleidete Demonstranten mit weissen Gesichtsmasken und amerikanischen Flaggen als dichte Kolonne in Richtung des Kapitols. Einige trugen bei Polizeikräften gebräuchliche Schutzschilder mit sich, die mit dem Sternenbanner bemalt waren. Andere marschierten unter der Flagge der Sklavenstaaten im Bürgerkrieg auf oder mit auf dem Kopf stehenden US-Flaggen. Dies soll üblicherweise Lebensgefahr signalisieren, wird von Rechtsextremen aber als Protestsymbol gegen den Staat verwendet (Link).

Die «Patriot Front» wurde im August 2017 nach den rassistischen Ausschreitungen in Charlottesville, Virginia, von dem Neonazi Thomas Rousseau als Abspaltung der Organisation «Vanguard America» gegründet. Die Gruppierung strebt die Errichtung eines weissen Ethno-Staates an und tritt öffentlich durch straff durchorganisierte, teils unangemeldete Aufmärsche in Erscheinung. Bürgerrechts-Organisationen wie die Anti-Defamation League und das Southern Poverty Law Centers stufen die Front als rechtsextreme, neonazistische Gruppierung ein (Link).

Gründer Rousseau gab bei dem Marsch in Washington eine Rede und erklärte: «Der einzige Weg, unsere Existenz zu sichern, besteht in der Verwirklichung unserer Ziele. Unsere nationale Unabhängigkeit wurde von einer natürlichen Aristokratie unseres Volkes erobert, den Besten unseres angelsächsischen Blutes». Nach Angaben der Polizei blieb der Marsch friedlich.

Der Aufmarsch wird scharf vom Jewish Council for Public Affairs kritisiert. Die Geschäftsführerin Amy Spitalnick hatte zuvor die Organisation «Integrity First for America» geleitet und damit eine führende Rolle bei dem Prozess gegen die Verantwortlichen für die Gewalt in Charlottesville gespielt. Sie erklärte: «Patriot Front ist ein Ableger einer jener Gruppen weisser Rassisten, die wir (erfolgreich) wegen der Anstiftung zur Gewalt in Charlottesville verklagt haben. Sie fühlen sich heute ermutigt, weil ihr Extremismus von der Regierung und anderen vollständig normalisiert wurde».

Andreas Mink