In Tirana kam es am Wochenende erneut zu Massendemonstrationen unter dem Wahrzeichen von Flamingos gegen ein geplantes Tourismusprojekt in Zvernec an der Südwestküste Albaniens. Das Projekt umschliesst ein Naturschutzgebiet, das ein wichtiges Brutrevier der rosaroten Reiher darstellt. Hinter den Plänen stehen Jared Kushner und dessen Frau Ivanka Trump.
Die Proteste fliessen inzwischen mit einem allgemeinen Unmut der Bevölkerung über undurchsichtige Immobiliengeschäfte und mutmassliche Regierungskorruption zusammen. Laut Agenturberichten marschierten Zehntausende durch die Hauptstadt bei der bislang anscheinend grössten der seit fünf Wochen laufenden Proteste. Die Bürger fordern Transparenz zu dem Projekt mit Investitionen von angeblich auf 1,2 Milliarden Dollar. Anscheinend gelten die Proteste inzwischen als Anzeichen für eine «Flamingo-Revolution» nach den «Farb-Revolutionen» in der Ukraine und anderen Ländern unter vormals sozialistischen Regimen.
Die Protestierenden trugen am Samstag auch Plakate mit der Parole: «Albanien steht nicht zum Verkauf». Teilnehmende forderten die Freilassung von 19 Demonstranten, die nach Ausschreitungen am Donnerstag festgenommen wurden. Dabei hatten Protestierende versucht, Abgeordnete am Betreten des Parlamentes zu blockieren und wurden von der Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern attackiert. Demonstranten schleuderten Eier, Steine und andere Gegenstände und gingen auf Polizeiketten los. 15 Beamte wurden verletzt und 25 Demonstranten festgenommen (Link).
Premier Edi Rama wies jüngst Rücktrittsforderungen zurück und behauptet, die Proteste seien gegen Kushners Beteiligung gerichtet – und nicht etwa von ökologischen Bedenken getragen. Ivanka Trump bezeichnete das seit einigen Jahren diskutierte Projekt als «den Höhepunkt all meiner Erfahrungen in der Immobilienbranche, all meiner Reisen und vieler Überlegungen darüber, wie ich leben möchte – und wie ich glaube, dass immer mehr Menschen leben wollen.» Das Projekt soll 10.000 Hotelzimmer umfassen und liegt laut Kritikern in «einem der ökologisch sensibelsten Gebiete Europas».
Zunächst kam die Regierung in Tirana dem Paar weit entgegen und änderte 2024 das Gesetz, um eine Bebauung in dem Nationalpark zu ermöglichen. Nach Trumps Wahlsieg im November 2024 verlieh die albanische Regierung der mit Kushner verbundenen Firma Atlantic Incubation Partners den Status eines «strategischen Investors» und ebnete damit den Weg für die erforderlichen Genehmigungen. Dies, ohne dass auch nur ein Geschäftsplan oder eine Machbarkeitsstudie für den Bau eines Luxusresorts auf der unbewohnten Insel vorgelegen hätte, so der Bericht. Laut Medienrecherchen ist neben Kushner und Trump «ein Netzwerk zwielichtiger Personen und Unternehmen in dem Projekt aktiv.
Daneben haben 41 Umweltorganisationen aus 28 Ländern Rama aufgefordert, das Projekt zu stoppen. Das Resort stelle «ernsthafte Risiken für die Biodiversität und kritische Lebensräume in der Region» dar. Rama verteidigte das Projekt jedoch weiterhin. Ende April genehmigte die Regierung die Errichtung eines Stacheldrahtzauns rund um die Küstenabschnitte des Resort-Geländes. Dadurch wurden kilometerlange Strandabschnitte für die Öffentlichkeit abgeriegelt. Zudem wurden schwere Baumaschinen herbeigeholt, um Zufahrtsstrassen anzulegen (Link).