Langwieriger Prozess gegen die Familie Nahmad.
Laut der «New York Times» versuchen Nachfahren des jüdischen Antiquitätenhändlers Oscar Stettiner seit über einem Jahrzehnt das Gemälde «Seated Man With a Cane» von Amedeo Modigliani aus dem Jahr 1918 von der Kunsthändler-Dynastie Nahmad zurück zu erhalten. Diese verfüge «auf dem internationalen Kunstmarkt über enorme Macht» und habe das Werk über die Holding «International Art Center» 1996 auf einer Auktion erworben und seither in einem Lager in der Schweiz aufbewahrt.
Am Freitag hat Richter Joel M. Cohen vom New York Supreme Court entschieden, dass die Nahmads den auf rund 25 Millionen Dollar geschätzten Modigliani an Nachfahren Stettiners retournieren müssen. Das Ölporträt zeigt einen eleganten Schokoladenhändler mit Hut und Krawatte, der sitzend einen Spazierstock hält. Laut den Erben ist das Gemälde während der Nazi-Besatzung Frankreichs aus dem Pariser Geschäft Stettiners beschlagnahmt und dann verkauft worden. Die Rückerstattungsklage läuft seit 2015.
Die Familie Nahmad hatte zunächst argumentiert, nicht mit dem «International Art Center» involviert zu sein. Später brachte die Holding vor Gericht Zweifel daran auf, ob es sich bei dem von ihr erworbenen Gemälde tatsächlich um den Modigliani im vormaligen Besitz Stettiners handele.
Richter Cohen befand nun, dass es sich um dasselbe Gemälde handele und dass der Stettiner-Nachlass «zum Besitz des Gemäldes berechtigt» sei: «Oscar Stettiner war Eigentümer des Gemäldes … bevor es widerrechtlich beschlagnahmt wurde. Er hat es niemals freiwillig aus der Hand gegeben.» Beide Punkte würden durch eine Entscheidung eines französischen Gerichts aus dem Jahr 1946 gestützt, das Stettiner nach Kriegsende angerufen hatte. Das französische Gericht ordnete zwar die Rückgabe des Gemäldes an Stettiner an. Dieses sei jedoch bereits weiter verkauft worden und konnte nicht mehr aufgefunden werden. Stettiner hatte britische Staatsangehörigkeit und verstarb im Jahr 1948 in Frankreich.
Die Entscheidung stellt einen Erfolg für Stettiners Enkel Philippe Maestracci und die auf Restitution von Raubkunst spezialisierte Firma Mondex dar. Die Kläger hoffen laut einem Anwalt nun auf eine baldige Aushändigung des Gemäldes durch David Nahmad. Dieser habe das Verfahren «in der Hoffnung, der Erbe würde zur Aufgabe gezwungen, unnötig in die Länge gezogen.»
Laut Richter Cohen sei die Familie Stettiner 50 Jahre lang über den Verbleib des Gemäldes im Unklaren gelassen worden. Nahmad trage hierfür keine Verantwortung; dieser sei erst durch den Erwerb des Gemäldes bei Christie´s 1996 in den Fall verwickelt worden (Link).