Erfolg für Erben des Kunsthändlers Jacques Goudstikker.
Das Museum Mauritshuis in Den Haag hat jüngst die Rückgabe des Gemäldes «Fischer am Seeufer» (1651) des niederländischen Künstlers Jan van Goyen an die Erben des Kunsthändlers Jacques Goudstikker (1897-1940) bekannt gegeben.
Das Mauritshuis hatte das Gemälde 1967 für 58.000 Gulden (damals etwa 17.000 Dollar) erworben. Neue Nachforschungen ermöglichten es jedoch, das Werk einem Eintrag in der Sammlung Goudstikkers zuzuordnen. Dieser war im Mai 1940 auf der Flucht per Schiff nach England bei einem Unfall ums Leben gekommen. Seine Galerie und über 1100 Kunstwerke wurden ohne die Zustimmung seiner Witwe Dési von Halban auf Anordnung von Hermann Göring durch die Nazis enteignet und landeten teilweise in dessen Sammlung. Darunter war auch «Fischer am Seeufer».
Nach einer langjährigen Auseinandersetzung und Recherchen hatte sich die niederländische Kulturministerin Rianne Letschert der offiziellen Empfehlung der niederländischen Restitutionskommission angeschlossen, das Werk an Marei von Saher, die Witwe von Goudstikkers einzigem Sohn Eduard, zurückzugeben. In einer Stellungnahme erklärte die Kommission, die Sammlung sei «unfreiwillig» an Göring gelangt, da Goudstikkers Witwe als Eignerin der Galerie den Transaktionen nicht zugestimmt hatte.
Die Entscheidung gilt als Zeichen für einen Wandel in der niederländischen Restitutions-Politik, die 2020 angekündigt hatte, bei Fällen von NS-Raubkunst mehr «Menschlichkeit, Transparenz und Wohlwollen» zu zeigen. Vor zwei Jahrzehnten hatte die Rückgabe von 202 Werken aus niederländischen Museen an die Erben Goudstikkers öffentliche Kritik sowie Befürchtungen bei Museumsdirektoren ausgelöst, zahlreiche weitere Werke zu verlieren.
Dennoch war es laut Judith Niessen vom Mauritshuis wichtig, das Gemälde zu retournieren: «Wir haben das Gemälde in den 1960er Jahren in gutem Glauben erworben, und natürlich bedauern wir es, uns davon trennen zu müssen». Aber das Bild sei «auf unrechtmässige Weise aus der Sammlung Goudstikker gelangt». Viele jüdische Familien hätten nach dem Krieg Schwierigkeiten gehabt, geraubte Werke zurückzubekommen und hätten sich anhören müssen: «`Seid froh, dass ihr am Leben seid.´ Heute sind wir der Ansicht, dass dies auf angemessene Weise korrigiert werden muss» (Link).