Sport 30. Sep 2026

Schwere Vorwürfe gegen israelische Fans bei Match in Ungarn

Der Israeli Gabi Kanichowsky (links) im Zweikampf mit Jason Molumby aus der Republik Irland während des Nations-League-Spiels der Gruppe B3 im Nagyerdei-Stadion in Debrecen, Ungarn, am Sonntag.

Angeblich rassistische Sprechchöre; Parolen zur Unterstützung der IDF; irische Boykott-Massnahmen.  

An einer Begegnung der UEFA-Nations-League im Nagyerdei-Stadion im ungarischen Debrecen hat das irische Team am Sonntag Israel mit 3:0 geschlagen. Inzwischen werden teilweise durch Videos aus dem Stadion dokumentierte Vorwürfe laut, wonach israelische Fans rassistische Sprechchöre gegen den irischen Spieler Adam Idah gerichtet haben. Diese «Monkey Chants» – also Affengeräusche – an den Sohn eines Nigerianer und einer Irin wurden nach einem Tor Idehs laut. Daneben filmte sich der rechte, arabisch-israelische Politiker Yosouf Haddad inmitten israelischer Fans, die laut Parolen zur Unterstützung der IDF skandierten: ihr Fussball-Team sei zwar geschlagen worden, aber die Streitkräfte seien unbesiegbar. Haddad kandidiert derzeit auf der «Volk von Israel»-Liste von ex-General Ofer Winter für die Knesset

Trotz dieser Verstösse gegen UFA-Regeln blieben die Vorfälle folgenlos. Die UEFA bestätigte rassistische Beleidigungen israelischer Fans gegen Idah. Der irische Mittelfeldspieler Jayson Molumby hatte die rassistischen Sprechchöre noch vor der Halbzeitpause wahrgenommen und bat den Schiedsrichter und einen Offiziellen während des Spiels, auf die vermeintlichen Affengeräusche zu achten. Ein UEFA-Delegierter teilte jedoch mit, dass keine Untersuchung eingeleitet werden könne, da Molumby den Offiziellen gegenüber nicht ausdrücklich von Rassismus gesprochen habe und diese selbst keine entsprechenden Sprechchöre wahrgenommen hätten.

Das Spiel selbst war seit Monaten umstritten. Noch am Samstag – dem Tag vor der Begegnung – war ungewiss, ob die Partie überhaupt stattfinden würde. Der irische Fußballverband (FAI) und die Nationalmannschaft standen seit Monaten unter Druck, die Spiele aufgrund der Völkrmord-Vorwürfe gegen Israel im Gazastreifen und der Rolle Irlands als Verbündeter Palästinas zu boykottieren.

Doch nach stundenlangen Debatten und einer Abstimmung innerhalb der Mannschaft liefen die Iren dann auf. Sie trugen dabei schwarze Armbinden, um ihre Solidarität mit den Palästinensern zu bekunden, die von der IDF im Gazastreifen getötet worden sind. Zudem senkten die irischen Spieler während der israelischen Nationalhymne die Köpfe und verzichteten darauf, der israelischen Mannschaft die Hand zu reichen; der irische Kapitän Dara O’Shea kündigte zudem an, seine gesamten Einnahmen aus dem Spiel für Hilfsmassnahmen im Gazastreifen zu spenden.

Irlands Stammtorhüter Gavin Bazunu war der einzige Spieler, der sich öffentlich gegen eine Teilnahme an der Begegnung entschied und teilte auf Social Media mit, er halte es für «falsch, an den bevorstehenden Spielen gegen Israel teilzunehmen». Bazunu sagte seine Teilnahme für beide Spiele der Begegnung ab, einschliesslich der für den 4. Oktober in Bačka Topola (Serbien) angesetzten Partie (Link).

Andreas Mink