Tel Aviv 01. Mär 2026

Mob gegen arabische Israelin

Rechtsextreme Agitatoren am Eingang zu Aharishs Wohngebäude am Mittwoch.  

In Israel sorgt eine Serie nächtlicher Belästigungen durch ultrarechte Demonstranten für politische und gesellschaftliche Spannungen.

Im Zentrum steht die bekannte arabisch-israelische Journalistin Lucy Aharish, die vorübergehend ihre Reise in die USA absagen musste, weil sie und ihre Familie sich aufgrund der Lage nicht sicher fühlten. 

Aharish, einst Israels erste arabische Nachrichtenmoderatorin und heute primetime-Managerin beim Sender i24news, sollte in dieser Woche in den USA eine Gedenkrede an der Stanford University halten. Stattdessen verbringt sie die Abende in Tel Aviv, nachdem sich regelmässig weit rechts stehende Gruppen vor dem Wohnhaus versammelt haben, das sie mit ihrem jüdischen Ehemann, dem Schauspieler Tzahi Halevi, und ihrem fünfjährigen Sohn teilt. Unter den Parolen waren immer wieder antisemitisch und rassistisch aufgeladene Rufe zu hören, darunter «Möge euer Dorf brennen», sowie Beleidigungen gegen Aharish und sogar der Name ihres Kindes. 

Auslöser der angestachelten Stimmung waren Aharishs kritische Worte gegenüber rechten Politikern und ihre klare Aufforderung an arabisch-israelische Wähler, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. In einer Fernsehsendung hatte sie betont, Araber seien vollberechtigte Bürger und würden «in Scharen» zur kommenden Wahl gehen – ein Hinweis, der insbesondere rechte Politiker wie Premierminister Binyamin Netanyahu alarmierte, da eine hohe Wahlbeteiligung arabischer Bürger seine stärkste Wählerbasis schwächen könnte. 

Die Vorfälle haben zu einer breiten öffentlichen Debatte geführt. Zahlreiche Persönlichkeiten und Organisationen, darunter der US-Ableger der Anti-Defamation League und die pro-israelische Gruppe StandWithUs, verurteilten die Belästigungen als undemokratisch und inakzeptabel. Gleichzeitig versammelten sich Unterstützer Aharishs zu einer Solidaritätskundgebung vor dem Studio von Channel 13 in Tel Aviv. 

Auch staatliche Stellen sind involviert: Mehrere der Demonstranten wurden von der Polizei festgenommen, unter ihnen ein prominenter Aktivist, der des Hausfriedensbruchs beschuldigt wurde. Wie sich der Konflikt weiterentwickelt, bleibt vor dem Hintergrund der anstehenden Wahl und angespannten politischer Lage ungewiss. 

Redaktion