Hochkarätige Beiträge und frische Perspektiven: Die aktuelle Ausgabe von Aufbau greift das 250. Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung auf.
Zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der USA vom 4. Juli 1776 spannt die aktuelle Ausgabe unserer Publikation Aufbau (Link) einen Bogen von den Ideen der Gründerväter bis in die Gegenwart. Neben jüdischen Aspekten kommen – damit verwoben – allgemeinere Fragen in einem Dutzend hochkarätiger Beiträge zur Diskussion. So spricht Chefredaktor Yves Kugelmann mit Sigmar Gabriel über die Krise der transatlantischen Beziehungen dank Trump.
Stephen Wertheim untersucht aktuelle Debatten um die globale Rolle Amerikas, während Joseph Stiglitz den Aufstieg Trumps und seine Bedrohung bürgerlicher Freiheiten in den Zusammenhang mit dem Ringen um die Wirtschaftsordnung in den USA – und weltweit stellt. Der Nobel-Ökonom arbeitet die Überlegenheit eines «progressiven Kapitalismus» nach dem Vorbild des «New Deal» von Präsident Franklin D. Roosevelt gegenüber dem «Neoliberalismus» eines Milton Friedman heraus.
Daneben bildet der Kampf um Bürgerrechte in den USA einen roten Faden. Dazu hat Rita Schwarzer in Alabama den afroamerikanischen Juristen Bryan Stevenson zu seinem Engagement gegen den Rassismus interviewt, «Amerikas Erbsünde». Susannah Heschel liefert eine jüdische Perspektive und schreibt über die Zusammenarbeit ihres Vaters, Rabbiner Abraham Joshua Heschel, mit Martin Luther King, Jr.
Das Ringen und Gleichberechtigung war und bleibt auch für die auf 1654 zurückgehende, jüdische Gemeinschaft in den heutigen USA fundamental. Wie Doug Chandler aus Philadelphia berichtet, haben Mitglieder der dortigen Gemeinde Mikveh Israel vor 250 Jahren die Revolution unterstützt, weil diese Glaubensfreiheit und eine selbst bestimmte Existenz auf Grundlage einer republikanischen Staatsordnung versprach.
Die vorwiegend sephardische Gemeinschaft war seinerzeit kaum 2500 Menschen stark und vom Seehandel abhängig, der von der britischen Krone kontrolliert wurde. Dennoch schlugen sich Juden wie Haym Salomon auf die Seite der Freiheit. Jerry Klinger, Präsident der Jewish American Society for Historic Preservation, schildert nicht allein die Verdienste dieses «Finanziers der Revolution», sondern sein Nachleben in Debatten um jüdisches Selbstverständnis – und die Anerkennung durch die breitere Gesellschaft.
Hier setzen der Publizist Steven Beller mit einem Essay zu Antisemitismus in den USA und Andreas Mink im Interview mit David Margolick an. Der Sachbuchautor hat jüngst eine spannende Biographie des Comedy-Pioniers Sid Caesar vorgelegt, die nicht zuletzt die jüdische Rolle bei der Gestaltung der amerikanischen Populärkultur beleuchtet: So wurden eher nebenbei aus Aussenseitern Mitglieder des «Mainstream».
Monica Strauss stellt das schon immer und heute um so stärker umstrittene Thema Einwanderung/Integration in historische Zusammenhänge und zeigt, wie schon das Schlagwort «A Nation of Immigrants» von einer populären Parole zu einem Zankapfel wurde. Josef Joffe wirft einen gleichzeitig persönlichen, wie akademischen Blick auf die Vereinigten Staaten als Zufluchtsort und Heimat jüdischer Gemeinschaften. Der ehemalige Chefredakteur und Herausgeber der «Zeit» kennt das Land seit seinen Studien an den Universitäten Harvard und Johns Hopkins und dort wie auch an der Stanford University Politikwissenschaften gelehrt. Hannes Stein rückt dagegen seine Perspektive als Immigrant in den Vordergrund und schildert, wie die «goldene Medine» New York zu einem Ort wird, an dem ihn der Gedanke überfällt: «Adolf Hitler hat uns eingeholt.»