USA – Politik 01. Jun 2026

Graham Platner erneut in Nöten

Der Senatskandidat Graham Platner spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung im Mai in Appleton, Maine.  

Sexting-Vorwürfe im Wahlkampf; Indiskretion aus dem Team des populistischen Aussenseiters.

In Maine gerät Graham Platner wenige Wochen nach dem vorzeitigen Ausscheiden seiner Konkurrentin Janet Mills – die 76-Jährige ist Gouverneurin – bei den demokratischen Vorwahlen erneut in Nöte. Am Wochenende machten die «New York Tims» und das «Wall Street Journal» gestützt auf Quellen in Platners Team bekannt, dass seine Gattin Amy Gertner im vergangenen Jahr Mitarbeitern anvertraut hat, der Militär-Veteran und Austernzüchter habe sexuelle Text-Nachrichten mit mehreren anderen Frauen ausgetauscht. 

Platner liegt in Umfragen momentan deutlich vor der republikanischen Amtsinhaberin Susan Collins. Frauen gelten in Maine als besonders wichtige Gruppe im Wahlvolk. Die Sexting-Vorwürfe werden von von aktuellen und ehemaligen Wahlkampfmitarbeitern bestätigt. Gertner erklärte, das im November 2023 getraute Paar befinde sich derzeit in einer Eheberatung und habe Probleme im Zusammenhang mit künstlicher Befruchtung zu bewältigen.

Eine Quelle ist Genevieve McDonald, eine ex-Abgeordnete aus Vermont, die bis zu ihrem Ausscheiden im Oktober politische Direktorin Platners war. Sie behauptet, Gertner habe sich kurz vor Veranstaltung am Tag der Arbeit Anfang September 2025 mit Senator Bernie Sanders an sie gewandt und ihr die Sexting-Informationen anvertraut. Gertner sei besorgt gewesen, dass dieses Verhalten Platner politisch schaden könnte. Er war im letzten Frühjahr durch eine Totenkopf-Tätowierung aus seiner Militärzeit ins Gerede gekommen, das einem Abzeichen der Waffen-SS gleicht. 

Laut McDonald habe Gertner ihr erzählt, Platner habe sexuelle Nachrichten mit bis zu zwölf Frauen ausgetauscht. Ein aktueller Mitarbeiter von Platners Wahlkampfteam erklärte der «Times», dieser habe mit bis zu sechs Frauen kommuniziert, das Verhalten jedoch vor Beginn des Wahlkampfs im letzten Herbst eingestellt. Gertner reagiert auf die Enthüllung mit Angriffen auf McDonald enttäuscht. Diese habe sie «verraten». Sie sei «zutiefst verletzt» und beunruhigt über «den Eingriff in unsere Privatsphäre»: «Unsere Ehe ist heute stärker denn je.»

Ob der neue Skandal Platner schadet, ist vorderhand unklar. Im Zeitalter Trumps dürfte Sexting als Petitesse erscheinen und Platners Image als authentischer Repräsentant breiter Schichten aus der Arbeiter- und unteren Mittelschicht mit all deren Sorgen, Problemen – und Lastern – eher noch bestärken. Zuvor waren anstössige Social Media Posts aus seiner Militärzeit zu Gewalt gegen Frauen bekannt geworden. All dies hat Platner bislang nicht geschadet.

Bei einer Umfrage der University of New Hampshire aus der letzten Woche liegt Platner mit neun Punkten Vorsprung vor Senatorin Collins – und mit 20 Punkten Vorsprung bei den Frauen (Link).

Andreas Mink