USA – Gesellschaft 06. Jul 2026

Michael Cohen kehrt zurück zu Trump

Michael Cohen auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2024.

Der ex-Anwalt des US-Präsidenten hat eine neue Radio-Show in New York und signalisiert Sympathien für seinen alten Boss.  

Wie zuerst von der «New York Post» vermeldet, hat Michael Cohen zum 12. Juli eine neue Show bei dem Radiosender 770 WABC in Manhattan erhalten. Eigner des Senders ist der Geschäftsmann und langjährige Trump-Freund John Catsimatidis. Cohen rühmt den neuen Job als «völlig befreiend» und «direkten Draht zu den Menschen». Der ehemalige Anwalt und Vertraute Trumps lässt die Post wissen: «Ich bringe meine 1,5 Millionen Follower von meinen Podcasts, YouTube und Substack auf diese neue Plattform. Es ist einfach grossartig, einen Ort zu haben, wo ich ihnen die ungeschminkte Wahrheit sagen kann.»

In diesem Sinne wolle er die Politik zu Verantwortlichkeit rufen und für die «erschöpfte Mehrheit» sprechen, welche «die endlosen Streitereien in Washington absolut satt hat, die den Amerikanern im Alltag absolut nichts bringen.» Dazu werde er seine «Vergangenheit und mein Insiderwissen zu nutzen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.» 

Diese «Wahrheit» dürfte gegenüber seinem alten Boss deutlich freundlicher ausfallen, als vor acht Jahren. Damals vollzog Cohen einen spektakulären Bruch mit Trump und gab zu, vor dessen Präsidentschaftskampagne 2016 Schweigegelder an den Pornostar Stormy Daniels und das ehemalige Playboy-Playmate Karen McDougal arrangiert zu haben. Beide behaupteten, Affären mit Trump gehabt zu haben. 

Cohen wurde anschliessend ein vielgefragter Insider, der Machenschaften Trumps in der Öffentlichkeit ausgebreitet und 2020 den Bestseller «Disloyal: A Memoir» publiziert hat. Darin charakterisiert er Trump als «Betrüger, Gangster, Lügner, Schwindler, Tyrann, Rassisten, Raubtier und Hochstapler».

Doch laut Catsimatidis haben sich Cohen und der Präsident inzwischen ausgesöhnt. Das Weisse Haus habe keine Einwände gegen die neue Sendung. Cohen hält sich dazu bedeckt, er konzentriere sich «auf die Zukunft», erwähnt aber doch: «Mir wurde gesagt, der Präsident habe mir eine glänzende Empfehlung für diesen Job gegeben». Trump glaube an den Erfolg seiner neuen Show. 

Cohen hatte die Annäherung Anfang Jahr durch Attacken auf die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James und den Bezirksstaatsanwalt von Manhattan, Alvin Bragg, eingeleitet. Diese hätten ihn «gezwungen», nach 2018 gegen Trump auszusagen. Nun stellt er den Präsidenten als zwar umstritten dar. Aber «sein Ziel ist es, dem Land wirklich zu helfen.» Trump nutze seine Exekutivgewalt auf einzigartige Weise: «Er reizt die Grenzen seiner Macht aus, überschreitet sie sogar – damit er mit seiner Agenda dem amerikanischen Volk so viele Vorteile bringen kann, als nur möglich.» Und als Präsident der Vereinigten Staaten sei dies auch «definitiv sein Vorrecht» (Link).
 

Andreas Mink