USA-Gesellschaft 11. Jun 2019

Lewis B. Cullman verstorben

Der Banker und Kunst-Mäzen wurde 100 Jahre alt.

Am Freitag ist in einem Spital in Stamford, Connecticut, der einflussreiche Philanthrop Lewis B. Cullman verstorben. Im Gegensatz zu den meisten «Selfmade-Männern» seiner Generation wuchs der 1919 geborene Cullman in einem wohlhabenden Elternhaus auf. Er war das jüngste von fünf Kindern von Frances und Joseph F. Cullman Jr. Die Familie hatte als Eigner der Tabakkonzerne Benson&Hedges und Philip Morris ein Vermögen erworben und betrieb eine Investmentbank. Doch der Junior hatte nach einem Politologie-Studium an der elitären Yale University kein Interesse an einer Karriere in der Tabak-Industrie. Cullman nahm zunächst ein Studium der Meteorologie auf und diente ab 1942 in der Kriegsmarine als Wetter-Beobachter.

Nach dem Krieg gründete er einen Wetterdienst für Neuengland, trat dann in die Investmentbank der Familie ein, machte sich aber 1962 mit «Cullman Ventures» mit grossem Erfolg selbstständig. Gemeinsam mit seiner 2009 verstorbenen Frau Dorothy setzte Cullman sein Milliarden-Vermögen zunehmend für philanthropische Zwecke ein. Die «Lewis B. and Dorothy Cullman Foundation» unterstützte New Yorker Institutionen wie das Mount Sinai Medical Center, das Weill Cornell Medical Center, das American Museum of Natural History und den werbefreien TV-Sender WNET. Das Paar stiftete zudem Werke aus der eigenen Kunstsammlung an Museen oder finanzierte wichtige Ankäufe.

Er oder Dorothy sassen zudem in den Vorständen so bedeutender Einrichtungen wie dem Metropolitan Museum of Art, den Museum of Modern Art, dem New York Botanical Garden, aber auch von Universitäten und Stiftungen ausserhalb seiner Heimat. Dabei wirkten die Cullmans stets aktiv an der Verwendung ihrer Gelder mit. Besonders am Herzen lag dem Finanzier die Stiftung «Chess in the Schools» (Link), die Heranwachsenden aus sozial benachteiligten Communities kritisches Denken erschloss.

Daneben drang Cullman in Büchern und Interviews immer wieder auf ein stärkeres, soziales Engagement von Super-Reichen: Diese sollten jeden Dollar über einer Milliarde in Bildung und Forschung stecken, um das Wohl der ganzen Nation zu befördern. 2010 hat er Louise Kerz Hirschfeld geheiratet, die Witwe des legendären Karikaturisten Al Hirschfeld (Link).

Andreas Mink