Der frühere britische Generalstaatsanwalt Sir Michael Ellis hat die BBC scharf für ihren Umgang mit einer als antisemitisch kritisierten Äusserung über die Familie Rothschild angegriffen. Die Entscheidung des Senders sei möglicherweise «irrational» und könne Gegenstand einer gerichtlichen Überprüfung werden.
Auslöser ist eine Ausgabe der BBC-Radio-4-Sendung «Gardeners’ Question Time», in der der Ausdruck «Moneybags Rothschild» gefallen war. Die höchste Beschwerdeinstanz der BBC wies eine dagegen gerichtete Beschwerde zurück. Die Formulierung beziehe sich auf den Reichtum der Familie Rothschild, argumentierte der Sender; ihre jüdische Herkunft sei dabei nicht erwähnt worden.
Ellis hält diese Argumentation für nicht nachvollziehbar. Die Verbindung der Rothschilds mit Geld und Reichtum sei seit Jahrhunderten Bestandteil antisemitischer Stereotype. Gerade bei solchen Stereotypen müsse die jüdische Identität nicht ausdrücklich genannt werden. Der frühere Generalstaatsanwalt erklärte, die Entscheidung könne so «irrational» sein, dass eine gerichtliche Überprüfung – eine sogenannte Judicial Review – möglich sei.
Auch der konservative Schatten-Generalstaatsanwalt Lord David Wolfson kritisierte die BBC. Das Wesen eines rassistischen oder antisemitischen Stereotyps bestehe gerade darin, dass die betreffende ethnische oder religiöse Zugehörigkeit nicht ausdrücklich ausgesprochen werden müsse. Danny Stone vom Antisemitism Policy Trust bezeichnete es als «absurd», dem Ausdruck antisemitische Konnotationen abzusprechen.
Ellis riet der Beschwerdeführerin allerdings, zunächst den britischen Medienregulator Ofcom einzuschalten, bevor sie eine kostspielige gerichtliche Überprüfung anstrebt. Der Fall verschärft damit die Debatte über den Umgang der BBC mit antisemitischen Stereotypen.