ZÜRICH 06. Dez 2017

Knast in Aussicht
 nach antisemitischem Angriff

Anfang Juli 2015 haben Rechtsextreme in Zürich-Wiedikon mehrere Juden angepöbelt, verfolgt und bedroht, auch mit nationalsozialistischen Gesten. Für den Haupttäter fordert die Staatsanwaltschaft nun 28 Monate Freiheitsentzug unbedingt.

Gegen zwanzig Rechtsextreme aus dem Umfeld des Naziskinhead-Netzwerks „Blood and Honour“ feierten am ersten Julisamstag 2015 in Zürich-Wiedikon einen Polterabend. In aggressiver Grundhaltung bedrohten mehrere Männer mehrere zufällig vorbeigehende Juden. Besonders heftig attackierten sie einen 50-jährigen jüdisch-orthodoxen Passanten.
Gegen fünf Rechtsextremisten eröffneten die Behörden Strafverfahren. Anfang Oktober 2017 verurteilte die Staatsanwältin bereits einen 24-jährigen Maurer aus dem Kanton St. Gallen. Der Verurteilte habe „in der Öffentlichkeit die Taten Hitlers und des Nationalsozialismus“ gelobt und „auch die Nachahmung von Verbrechen“ angedroht, die zu dieser Zeit begangen worden waren. Die Sanktion: 180 Tagessätze à 90.00, dazu kommen noch 3800 Franken Busse und 1500 Franken Verfahrenskosten. Macht total 21‘500 Franken, nebst den Anwaltskosten. Drei weitere Verfahren stellte die Staatsanwaltschaft Anfang Oktober 2017 ein, da sie keine „rechtsgenügenden Beweise“ für bestimmte Handlungen und Äusserungen der drei Verdächtigten habe.

Nun liegt dem „Tagesanzeiger“ die Anklageschrift gegen den Haupttäter Kevin G. vor. Der 30-jährige Metzger aus dem Kanton Zürich, auch Sänger der rechtsextremen Band „Amok“, soll gemäss der zuständigen Staatsanwältin für 28 Monaten ins Gefängnis. Der Angeklagte habe den jüdischen Passanten bespuckt „um seiner Verachtung Ausdruck zu verleihen“. Er habe den Juden am Hut, im Gesicht und im Schulterbereich getroffen. Er habe sein Opfer verfolgt und ihn als „Scheissjuden“ beschimpft. Er habe gedroht „wir werden euch alle vergassen“, ebenso „wir schicken auch nach Auschwitz“. Er habe den Hitlergruss gezeigt und auch versucht sein Opfer zu schlagen. Andere Passanten konnten dies verhindern. 
Unklar ist, ob der Angeklagte geständig  ist. Klar ist hingegen, dass ihm bei einer Verurteilung auch der Widerruf von zwei bedingt ausgesprochenen Strafen droht, darunter ist auch eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten aus dem Kanton St.Gallen.


Hans Stutz