Der Einsatzleiter des Grenzschutzes soll verächtlich über jüdischen Staatsanwalt gesprochen haben.
Durch martialisches Auftreten, Militär-Haarschnitt und einen für viele Beobachter an Nazi-Uniformen gemahnenden Mantel war Gregory Bovino als Einsatzleiter der Border Patrol das Gesicht Grenzschutz-Operationen in Minneapolis geworden. Nachdem Bundes-Agenten die allem Anschein nach unbescholtenen US-Bürger Renee Good und Alex Pretti erschossen hatten, zog ihn das Heimatschutz-Ministerium vergangene Woche wieder ab.
Nun wurde ein Telefonat Bovinos mit Bundesstaatsanwälten vom 12. Januar bekannt. Etliche Teilnehmer traten wenig später aus Protest gegen den Umgang des US-Justizministeriums mit dem Mord an Renee Good zurück. Bei dem Telefonat soll sich Bovino abfällig über den Glauben des US-Staatsanwalts von Minnesota, Daniel Rosen, geäussert haben. Dieser ist orthodoxer Jude und begeht den Schabbat, benutzt also in dieser Zeit keine elektronischen Geräte. Ein Vertreter von Rosen nahm an dem Gespräch teil.
Bovino soll Rosen betreffend spöttisch den Begriff «auserwähltes Volk» verwendet und sarkastisch gefragt haben, ob diesem klar sei, dass orthodoxe Kriminelle keine Wochenenden frei hätten. Bovino beschwerte sich zudem darüber, dass Rosen aufgrund des Schabbats zeitweise nicht erreichbar gewesen sei.
Rosen hatte dem «Jewish Insider» zuvor erklärt, er habe sich als Anwalt in der Privatwirtschaft auch deshalb für seine jetzige Position beworben, weil er als Staatsanwalt den «rasanten Anstieg des gewalttätigen Antisemitismus» in den USA bekämpfen könne: «Die jüdische Geschichte lehrt uns, dass es Juden in polarisierten Gesellschaften schlecht geht, insbesondere wenn diese Polarisierung zu parteipolitischem Hass in den nichtjüdischen Gesellschaften führt, in denen wir leben».
Bovino war bereits im Oktober als Leiter brutaler Razzien gegen Einwanderer in Chicago aufgefallen und hatte Agenten häufig bei Einsätzen begleitet. Sein Vorgehen trug ihm Rügen der für die Region zuständigen Bundesrichterin ein. Bovino wurde dabei beobachtet, wie er ohne Vorwarnung eine Tränengasgranate in eine Menschenmenge warf. Er versicherte der Richterin, er werde sich an ihre Auflagen halten. Doch kurz darauf stellte die Richterin offiziell fest, dass Bovino wiederholt über die Taktiken der Border Control und das Verhalten von Demonstranten gelogen hatte (Link).